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Geschichte der Juden.
nehme Bewohner Jerusalems vor den Toren entgegen und begleitetendie Prozession mit dem Flötenspieler bis zum Tempel. Während dieGartenbesitzer ihre mit Kränzen geschmückten Körbe mit den Erstlings-früchten den Priestern überreichten und dabei das Dankbekenntnisablegten, daß Gott ihre Vorfahren aus der ägyptischen Knechtschaftbefreit und ihnen das heilige Land zum Besitze gegeben, sangen dieLevitenchöre den Dankpsalm (30), welcher die Erlösung vom Unter-gänge zum Inhalt hat.
„Ich preise dich, Herr, daß du mich errettet,
Und hast meine Feinde nicht über mich triumphieren lassen."
Allen gleich begab sich der König Agrippa mit seinem Korbe vonErstlingsfrüchten auf der Schulter in den Tempel und legte sein Dank-bekenntnis ab. So sah damals Jerusalem einen großen Teil desVolkes nach und nach mit dankerfülltem Herzen wegen der erlebtenErrettung in seine Mauern cinziehen. Der alexandrinische Philosophund Verteidiger seiner Gemeinde vor Caligula, welcher das tiefe Herzeleidempfunden und den günstigen Umschwung erlebt hat, fand sich ebenfallsin dieser Zeit in Jerusalem ein, und beschrieb das „Korbfest" mitanziehenden Farben *).
Im darauf folgenden Jahre (Herbst 42) wurde ein anderes Festin freudiger Stimmung begangen. Die Vorschrift, daß der König amSchluß des Sabbatjahres und des Hüttenfestes vor dem Volke ausdem Deuteronomium öffentlich vorlesen solle, war seit dem Untergangeder Makkabäerfürsten nicht zur Ausführung gekommen. Der idumäischeUsurpator Herodes wagte nicht, diese Rolle zu spielen, weil er auchden Vers: „Ans der Mitte deiner Brüder sollst du einen König
wählen", nicht hätte lesen können, ohne sich bloß zu stellen. Agrippaaber durfte es eher wagen, und frischte damit das alte halbverscholleneGesetz wieder auf. Im Tempel auf einer Emporbühne stehend, las eraus einer Thorarolle, welche ihm der Hohepriester ehrerbietig überreichthatte, die vorgeschriebenen Abschnitte dem versammelten Volke vor.Bei dem Verse von der Wahl des Königs aus den eigenen Volks-genossen übermannte ihn die Erinnerung, daß er, halb von idumäischerAbkunft, nicht würdig sei, judäischer König zu sein; er brach in Tränenaus. Aber die anwesende Menge und selbst die Pharisäer riefen ihmbegeistert zu- „Du bist unser Bruder, du bist unser Bruder!"-)
0 Philo äs ts8to sopbiui, sä. Richter, "4. V, p. 48 fg. Vergl. dazuMonatsschrift Jahrg. 1877, S. 432 fg.
2) 8ota Msobna VlI, 8. Es ergibt sich, daß das Jahr 41—42 einSabbatjahr war. Vergl. Note 8 sund meine Bemerkungen dazu, welche dar-tun, daß 41—42 unmöglich ein Sabbatjahr gewesen sein könnest