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Geschichte der Juden.
Religionsgesetze, wie Sabbat, Festzeiten, Beschneidnng, Tempelriten ganzüberflüssig i). Diese Anschauungsweise machte manche gegen das praktischeJudentum lau, und von diesen von der Zeitbildung Eingenommenenwerden wohl einige die schwere Prüfung nicht bestanden haben.
Um dem bösen Beispiele des Abfalles entgegen zu wirken, ver-faßte ein alexandrinischer Judäer in dieser Prüfungszeit eine Schriftin griechischer Sprache, welche durch ihre Darstellung des Eindruckesnicht verfehlen konnte. Der unbekannt gebliebene Verfasser wollteeinerseits das Volk durch den Hinweis auf die göttliche Hilfe zumAusharren im Judentum ermutigen, anderseits die Untreue gegendas väterliche Gesetz brandmarken. Diese Gedanken kleidete er in eineGeschichte, die halb Wahrheit, halb Dichtung ist, wie sie ihm am bestenauf das Gemüt zu wirken geeignet schien. Die Farben waren der düsterenGegenwart entnommen und in Geschichtsform auf die Vergangenheitübertragen. Diese Schrift, welche sich unter dem Namen des drittenMakkabäerbuches 2) erhalten hat, setzt die Leidensgeschichte deralexandrinischen Gemeinde in ein Helles Licht. Sie erzählt, der ägyp-tische König Philopator habe nach einem Siege den Tempel in Jerusalemtrotz der Bitten des judäischen Volkes betreten. Auf das Flehen desHohenpriesters Simon habe Gott, um die Tempelentweihung zu ver-hüten, den König mit Betäubung und Erschütterung bestraft. Beiseiner Rückkehr nach Alexandrien habe Philopator dafür an den Jndäerndieser Stadt Rache nehmen wollen und einen Befehl erlassen, daß die-jenigen, welche nicht den Götzen opfern würden, ihr Bürgerrecht ver-lieren, zu der niedrigen Volksklasse gezählt, als Knechte des Königsmit dem Zeichen des Efeublattes, des Sinnbildes des Bacchus, aneinem Körperteile gebrandmarkt werden sollten; diejenigen hingegen,welche sich dem Befehle unterwürfen, sollten ihre bürgerliche Gleich-stellung behalten. Die meisten Judäer seien fest in der Treue gegenihren Gott geblieben und hätten ihr Vermögen preisgegeben, um sichvon der schimpflichen Einschreibung in die Plebejerklasse loszukaufen.Diejenigen aber, welche abgefallen wären, über dreihundert, seien vonihren Verwandten und Bekannten gescheut und von jedem Umgangausgeschlossen worden. Die Judenfeinde hätten nun ausgesprengt, daßdie Judäer, weil sie die heidnischen Götter nicht verehrten und sich derTeilnahme an heidnischen Gelagen enthielten, Feinde des Königs undaller Menschen seien. Die gesinnungsvollen Griechen in der Stadthätten jedoch Mitleid mit den Judäern empfunden, ohne ihnen freilichhelfen zu können, da die Regierungsweise tyrannisch war. Darauf
*) Das. cls mi^rg-tions ^brabami 6, lll. 1, 450.
2) Über Zeit und Tendenz des dritten Makkabäerbuches vergl. Note 3.