Hetzereien gegen die Judäer in Alexandrien. 32S
Lügenschmied den Judenhaß der Alexandriner benutzte, um das Lügen-gewebe über das Altertum und den Charakter des Judentums nochweiter auszuspiuuen; je unverschämter, desto wirksamer. Von altenÄgyptern wollte er gehört haben, Mose sei ein Priester von Heliopolisgewesen; die judäische Nation habe keineswegs ein so graues Alter,sondern sei erst zur Zeit der Erbauung Karthagos entstanden. ZumBeweis dafür führte er an, daß die ältesten Geschichtsschreiber nichtsvon den Judäern zu erzählen wüßten. Die 120000 Judäer, welcheaus Ägypten wegen Aussatzes vertrieben worden seien, hätten anGeschwüren an den Schamteilen gelitten und erst nach sechstägigerbeschwerlicher Wanderung durch die Wüste in Judäa Ruhe gefunden.Sie feierten den Sabbat, weil auf ägyptisch diese häßliche KrankheitSabbathosis genannt werde; so deutete Apion sprachwidrig denSabbat auf seine Weise. Er stellte die Lügenmären zusammen, dieAntiochos Epiphanes oder seine Schmeichler erfunden hatten, nm seineUntaten an den Judäern zu beschönigen, die Erfindung von der Ver-ehrung des Esels und der Auffütterung eines zum Schlachten bestimmtenGriechen im Tempel. In der Schrift, die er geradezu gegen die Judäerverfaßte, machte er hämische Bemerkungen über die judäischen Männer,die früher in Alexandrien eine hohe Stellung eingenommen hatten, underinnerte an den Haß der letzten Kleopatra gegen die Judäer. Apionwar der erste systematische Judenfeind der Heidenwelt.
Diese aus Neid, Religioushaß und Nationalantipathie zusammen-gesetzte feindliche Stimmung der Alexandriner gegen die Judäer, wiesie im Mittelalter in der christlichen Welt herrschte, mußte unter Augustusund Tiberius an sich halten, weil die kaiserlichen Statthalter in ÄgyptenRuhestörungen und Tätlichkeiten streng niederhielten. Unter Caligulaänderte sich das Verhältnis insofern, als die heidnischen Alexandrinerwußten, daß der Statthalter Marcus als Freund des Tiberius undAnhänger seines durch Caligula Hingerichteten Enkels dem argwöhnischenKaiser verdächtig war, und daß dieser jeder Anklage gegen ihn einoffenes Ohr leihen würde. In der Tat fürchtete auch Flaccus so sehr,die Aufmerksamkeit des rachsüchtigen Kaisers auf sich zu ziehen und beiihm verleumdet zu werden, daß er sich von dem alexandrinischen Pöbeleinschüchtern ließ. Er drückte daher ein Auge gegen das gewalttätigeVorhaben desselben zu und ließ sich als sein willenloses Werkzeug
8ti1srtt, 3—7 ff. Es ist die beste Monographie über diesen Schriftsteller. DisFragmente ans Apions Schrift: --»r« hat Müller a. a. O. III,
p. 508 fg. svergl. jetzt auch Usinaeli, lextss cl'antsurs z-reos sl romains rs-latlks an jnäa'isme (Paris 1895), S. 123 ff.j zusammengestellt Weitere Lit.bei Schürer III^, 4I1s.