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Geschichte der Juden.
wahrhafter Gottesfurcht gebliebe» seien. Erst die Späteren, welcheZwangsherrschaft eingeführt hätten, und besonders die Priester hätteneigentümliche Gesetze als Neuerungen eingeführt, wie Enthaltung vongewissen Speisen, Beschneidung und Ähnliches, das er als Aberglaubenbezeichnet. Von dem Heiligtum in Jerusalem sprach Strabo mit einergewissen Hochachtung. Obwohl die Gewalthaber als Abtrünnige vonMoses reiner Lehre das Volk mißhandelt hätten, sei doch der Hauptstadtder Judäer eine gewisse Würde geblieben, welche sie nicht als Sitz derZwangsherrschaft verabscheuten, sondern als Tempel Gottes heilig hielte»und verehrten i). Strabo brachte eine geraume Zeit in Alexandrien zuund scheint dort viel mit gebildeten Judäern verkehrt zu haben, auch mitdem Hause des damaligen Arabarchen, von dem er neidlos erzählt, daßer fast wie ein Fürst eines selbständigen judäischcn Gemeinwesens ange-sehen sei, dessen Glieder einen großen Teil von Alexandrien bewohnten ff.
Aber gerade diese Selbständigkeit, welche die römischen Kaiser denJudäern in der ägyptischen Hauptstadt eingeränmt hatten, während siedie Griechen in derselben äußerst beschränkt wissen wollten, ärgertediese in hohem Grade. Der Rassenhaß zwischen Griechen und Judäernhatte daher in Alexandrien die größte Spannung, und diese benutzteein schamloser Wicht, der sämtliche judenfeindliche Schriftsteller anFrechheit der Verleumdungen gegen die Judäer übertraf. Es war derÄgypter Apion, der in Alexandrien das Bürgerrecht erhalten hatteund mit grimmigem Neide gegen die günstige Stellung der Judäererfüllt war. Er frischte alle Fabeln seiner Vorgänger wieder auf,überbot sie noch und betörte die Menge mit seiner Zungenfertigkeitund Marktschreierei. Apion war einer jener Charlatane, welche sichnach dem Grundsätze richten: die Welt will betrogen sein, darum sollsie betrogen werden. Als Ausleger der homerischen Gesänge reisteer durch ganz Griechenland und Kleinasien und wußte den Griechenso schmeichelhafte Fabeln aufzubinden, daß sie ihn auf den Händentrugen. Alles wollte er mit eigenen Augen gesehen oder von glaub-würdigen Personen vernommen habe»; er wollte sogar Homers Schattenheranfbeschworen haben, der ihm die Offenbarung gebracht, welche Stadtden ältesten Dichter Griechenlands geboren hätte; nur dürfte er dasGeheimnis nicht verraten. Dabei war Apion von einer so aufgeblasenenEitelkeit, daß man ihn die Trompete seines eigenen Ruhmes nannte.Ja, er Pries sogar die Alexandriner glücklich, daß sie ihn als Mit-bürger besaßen 3). Was Wunder, wenn ein solcher Aufschneider und
ff Strabo XVI 2, 37. ff Jos. Altert. XIV, 7, 2.
ff Vergl. über Apions Charakter und geringe Leistungen in der homerischenExegese: Lehrs, tznasstiouss ei>ieas: äisgnisitio, gniä Xi»o Ilomero xrae-