Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
Entstehung
Seite
326
Einzelbild herunterladen
 

326

Geschichte der Juden.

fügte auch hinzu, der Gesetzgeber Mose habe ihnen befohlen, daß sie keinemMenschen Gutes erweisen sollten, und geraten, die Tempel und Altäreanderer Völker zu zerstören. Das hätten sie auch rücksichtslos voll-streckt, und davon habe Jerusalem ursprünglich den Namen Hierosyla,Zerstörerin der Heiligtümer, geführt. Die gehässigen Ausfälle desrhodischen Redners Apollonios Molo gegen die Judäer nahm auchLysimachos auf, daß die Gesetze der Judäer weder gerecht noch wahr,sondern von Lehren des Menschenhasses erfüllt seien.

Diese griechisch schreibenden Schriftsteller waren nicht die einzigen,welche aus Bosheit und Rassenhaß gegen die Judäer deren Vergangen-heit, Gesetze und großen Gesetzgeber verunglimpft und geschmäht Habens.Einer von ihnen erfand die Fabel, daß die Israeliten, nachdem siewegen Aussatzes ausgewiesen worden, lange in der Wüste umhergeirrtund wegen Wassermangels dem Verschmachten nahe gewesen seien, unddaß Mose, ihr Führer, ihnen geraten habe, einer Herde wilder Eselnachzufolgen, weil diese wohl wasserreiche Plätze aufsuchten. Sie hättenauch richtig Wasser gefunden und ihren Durst gelöscht. Nach sechs-tägiger Irrfahrt seien sie dann in das Land gekommen, in dem sieHauptstadt und Tempel angelegt. Wegen dieser Vorgänge feierten sieden siebenten Tag, an dem sie Ruhe gefunden, und widmeten den Eselngöttliche Verehrung.

Welch eine Anhäufung von Schmähungen gegen das arme judäischeVolk, das, weit entfernt, einen Vernichtungskrieg gegen die Nachbarnzu führen, nur auf Selbstverteidigung bedacht war! Nur wenigegriechische Schriftsteller enthielten sich, wenn sie von Judäern sprachen,Verleumdungen gegen sie anzubringen. Nur ein einziger ist bekanntgeworden, der günstig von ihrem Ursprünge und ihrer Gottesverehrung,und zwei, die nichts Ungünstiges von ihnen geschrieben haben.

Cornelius Alexander aus Milet, Polyhistor genannt, weiler eine große Belesenheit in den Geschichtswerken besaß und allerleiüber Geschichte und Länderkunde zusammengetragen hat (um 8250 vor),hat auch Nachrichten über die alte Geschichte der Israeliten von judäischenSchriftstellern, die ihm bekannt geworden waren, mit ausgenommen^),große Stücke aus Demetrius', Eupolemos' und Artapans sagenhafter

i) Folgt aus Jos. o. L.p. II, 14: Apollonios Molo, Lysimachos x«l rrvrs«Hör. Was Tacitus bist. II, 3 referiert, stammt zum Teil aus Lysimachos(die Ausweisung unter Bokchoris) zum Teil von anderen Schriftstellern, nament-lich dis Verbindung der Wüstenwanderung mit dem Sabbat. Aber auch dieFabel vom Eselskultus scheint Tacitus oder seine Vorgänger damit in Ver-bindung gebracht zu haben.

") Alexander Polyhistors Fragments über die Judäer und deren Geschichtebei Kirchenvätern, zusammengestellt in Müllers Fragmente II, 211 fg.