Lügenhafte Beschuldigung gegen die Jndäer. 325
ging die israelitische Urgeschichte (nach der griechischen Übersetzung) durch,berichtete von der Ausweisung der Israeliten infolge irgend eines Makelsund schwärzte Moses, den Gesetzgeber reiner Gesittung, als einenZauberer und dessen Gesetze als bar jeder Tugendanrcgnng und vollerSchlechtigkeit an. Die Lüge von der Eselsverehrung und der Mästungeines Griechen zum Schlachtopfer hat Apollonias Molo selbstverständlichausgenommen. Er folgerte daraus, daß die Judäer Gottesleugner undMenschenfeinde seien, warf ihnen Feigheit und Tollkühnheit vor undbezeichnete sie als das unbefähigteste Volk unter den Barbaren, daskeinerlei Erfindung zum allgemeinen Nutzen gemacht habe. — Vondiesen beiden rhodischen Schriftstellern, in deren Umgang er lebte, hatwohl auch Cicero seine unwürdigen Ausfälle gegen den jndäischen Stammund das judäische Gesetz (o. S. 66) entlehnt. Julius Cäsar jedoch,welcher ebenfalls mit Posidouius und Molo verkehrte, hat sich vonVorurteilen gegen die Judäer frei gehalten.
Gierig nahmen alexandrinische Griechen solche Schmähungen auf,übertrieben sie noch und gaben ihnen eine größere Verbreitung undeine für die Judäer ihrer Zeit sehr unangenehme Anwendung. Einerderselben, Namens Chäremon (um 50 vorchr. Z.^), welcher die alt-ägyptische Geschichte aus Sagen zusammengestellt, begnügte sich damit,den Ursprung des judäische» Volkes zu verunglimpfen. Auch er ließin einer Schrift die Israeliten wegen Unreinheit aus Ägypten aus-weisen, unter einem Führer Joseph, einem Schriftknndigen, dessen Zeit-genosse der Priester Mose gewesen sei. Beide seien Ägypter gewesen,der erstere habe den Namen Peteseph geführt und der andereTisithes geheißen. Ob Chäremon noch andere Lügenmären über dieIsraeliten geschrieben, ist nicht bekannt. Giftiger als dieser behandelt seinjüngerer Zeitgenosse, der Alexandriner Lysimachos (um 30 vorchr. Z.°),die Judäer. Er nahm nicht bloß in seine Schrift über ägyptische Geschichtedie Fabel von der Vertreibung der Israeliten ans Ägypten wegenAussatzes — und zwar unter dem Könige Bokchoris — auf, sondern
*) Vergl. über Chäremon Müller Fragm. III, y. 495 f. Es muß durch-aus zwei Schriftsteller dieses Namens gegeben haben, einen, welcher als CicerosLehrer ausgegebeu wird, und einen andern, der spätestens um SN ante gelebthaben muß, nach Müller das. (Vergl. jedoch Schürer III", INS, der den vonJosephus zitierten etwa ein Jahrhundert später setzt.) Aus seiner ägyptischenGeschichte hat Jos. nur ein Fragment o. I, 32 ausgezogen.
") Lysimachos' Lebenszeit läßt sich kaum annähernd bestimmen, da dieAngabe, daß er zwischen Mnaseas Patrensis (Olymp. 180 — 140 ante) und Apion(40 post) gelebt (Müller Fragm. III, 334) ein zu großes Intervall läßt.Josephus zitiert ihn das. I, 34 nach Chäremon und II, 14 nach ApolloniusMolo. Er hat also wahrscheinlich später als diese gelebt.