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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Pilatus Entfernung aus Judäa.

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(Exorcismus) ward allmählich ein stehendes Geschäft der christlichenOberen; der Aufnahme eines neuen Mitgliedes ging eine Dämonen-beschwörung voran, als wäre dasselbe bis dahin vom Teufel besessengewesen. Kein Wunder, daß die Judäcr die Nazaräer und die Heidendie Christianen als Teufelsbeschwörer und Magier ansahen. Doch inden ersten Jahrzehnten nach Jesu Tode wurden sie in judäischem Kreisewenig beachtet. Wegen des niedrigen Standes, dem sie angehörten,entgingen sie der Aufmerksamkeit. Sie bildeten eine eigene Sekte undwurden wahrscheinlich den Essäcrn zugezählt, mit denen sie so vieleBerührungspunkte hatten. Sie würden sich überhaupt verloren haben,wenn nicht später ein Mann ausgetreten wäre, welcher der Sekte eineVerbreitung gab und sie zu einer Höhe erhob, die ihr die Welt-herrschaft sicherte.

Ein Unstern waltete über dem jndäischen Volke seit einem Jahr-hundert, seitdem der Bruderkrieg der letzten Hasmonäer die römischeZwingherrschaft über Judäa gebracht hatte. Jedes neue Ereignis schlug'zu immer größerem Unglück für sie aus. Kohelets Trostwort: es gebenichts Neues unter der Sonne, erwies sich auch als eitel. Das inphantastischer Verschwommenheit in den Gemütern lebende messianischeGebilde, das eine greifbare Gestalt angenommen hatte, war doch etwasNeues, das bis dahin noch nicht ans der Welt gewesen war, und dieseNengeburt mit der Totenmaske sollte dem jndäischen Volke neue undschmerzliche Wunden schlagen. Das Messiastum aus Nazaret war ausdem Mutterschoß der essäischcn Sekte hervorgegangen, und da diesebereits einen Groll gegen das von pharisäischen Grundlehren gestalteteLeben des Volkes hatte, so erbte das Kind diesen Groll und steigerteihn noch, vom Schmerze gestachelt, den es durch den Tod seines Stiftersempfand. Nicht wenig hat der Landpfleger Pontius Pilatus zu derfeindseligen Stimmung der christlichen Sekte gegen ihr eigen Fleischund Blut beigetragen. Er hatte zum Tod noch Schmach und Hohnhinzugesügt, hatte ihren Messias gegeißelt und gekreuzigt wie denniedrigsten Sklaven und hatte ihm zum Hohn für denKönig derJudäer" die Dornenkrone aufgesetzt. Dieses Bild des bluttriefendenJesus mit der Dornenkrone schwebte dessen Anhängern stets vor Augenund flößte ihnen Rachegedanken ein. Anstatt aber ihren Unwillen gegendas grausame, blutdürstige Römertum zu kehren, machten sie die Ver-treter des jndäischen Volkes und allmählich dieses selbst in seinerGesamtheit dafür verantwortlich. Sie machten sich vergessen oder ver-gaßen mit der Zeit, daß Pilatus der Mörder ihres Meisters war undwälzten die Blutschuld ans das Haupt des ganzen jndäischen Stammes

st Diese Umkehrung der Schuld kommt schon bei den Synoptikern vor.