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Geschichte der Juden.
Wenn der Nachricht zu trauen wäre, daß Tiberins nach SejansSturze ein gewisses Wohlwollen gegen die Judäer gezeigt hat^) —wiewohl dieses Wohlwollen ebensogut in der Launenhaftigkeit des Kaisersseinen Grund haben mochte — so ließe sich daraus die sonst auffallendeErscheinung der Milde erklären, mit welcher die judäische Nation indieser Zeit behandelt wurde. Die Judäer fanden Fürsprecher bei Hofenamentlich an Tiberius' Schwägerin Antonia, die ihm das Komplottdes Sejan gegen ihn verraten hatte und die Freundin judäischer Großerwar. Infolgedessen nahm Tiberius den Achtbefehl gegen die römischenJudäer zurück. Vitellins, Statthalter von Syrien, war ganz Zuvor-kommenheit gegen die Judäer, ging nicht bloß auf ihre Klagen ein,sondern half ihnen ab und schonte mit einem an einem Römer unge-wohnten Zartgefühl die empfindlichen Seiten derselben. Auf die Be-schwerden, welche Judäer und Samaritaner bei ihm gegen den Land-pfleger Pilatus erhoben, sandte er ihn ohne weiteres nach Rom zumKaiser, um sich vor ihm zu rechtfertigen-). Da Vitellius bei derGelegenheit zum Passahfeste selbst nach Jerusalem gekommen war (36),'um sich von dem Stande der Dinge zu überzeugen, so zeigte er sichgeneigt, das römische Joch so viel wie möglich zu mildern. Er erließden Einwohnern Jerusalems die Steuern von den Marktfrüchtenweil die Hauptstadt für ihren Bedarf größtenteils auf den Markt an-gewiesen war und daher die Steuer drückender empfand. Er befreiteferner den hohenpriesterlichen Ornat von Schloß und Riegel der BurgAntonia und übergab ihn dem Priesterkollegium zur Hut, in dessenHänden er eine Zeitlang blieb ^). Doch das Recht, die Hohenpriester zuernennen, vergab Vitellius nicht; es war zu wichtig für die römischenInteressen. Er machte selbst davon Gebrauch, au die Stelle des JosephKaiaphas Jonathan, Sohn Anans, einzusetzen^). Kaiaphas hattewährend der ganzen Verwaltungszeit des Pilatus fungiert und magsich wohl mit demselben verstanden haben; daher er bei der Nationmißliebig gewesen zu sein scheint. Alle diese Begünstigungen der Judäergewährte Vitellius ohne ausdrücklichen Befehl des Kaisers und ver-mutlich nur nach allgemeiner Andeutung über das Verhalten gegendieselben. Einen bestimmten Auftrag erhielt er vom Kaiser, den FürstenHerodes Antipas mit der ganzen verfügbaren römischen Kriegsmachtgegen den König Aretas zu unterstützen und zwar für eine ungerechte
*) Philo, Gesandtschaft an Cajus § 24, N. II, 563.
2) Das. 2) Josephus Altert. XVIII, 4, 2. Das. 4, 3.
b) Das. und XV, 1l, 4. Ob Vitellius dazu Vollmacht von Tiberius er-halten hatte, wie Josephus an der letzten Stelle andeutet (»«t kxrlror r?rr'-r(>kvk),bleibt zweifelhaft.