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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Geschichte der Juden.

konnte der Messias Leiden unterworfen sein? Der leidende Messias(H-<rrös 7r«S^ro'e) war für sie ein gewichtiges Bedenken 1). DieserAnstoß an Jesus mußte erst beseitigt werden, ehe seine Anhänger sichdem vollen Glauben an seine Messianität hingeben konnten. Da magdenn ein Schriftkundiger unter ihnen sich und sie damit beruhigt haben,daß nach einer jesajanischen Prophezeiung, die auch judäischerseits aufden Messias bezogen wurde"), von Gott Leiden über den Messias ver-hängt werden würden, damit er dadurch die Sünden des Volkes tilge:„Er wird entrissen aus dem Lande der Lebenden, und für die Sündenseines Volkes erleidet er Wunden". Ein gläubiger Pharisäers hatwohl der entsetzten, haltlosen und geringen Schar der Jünger Jesu ansder größten Verlegenheit geholfen, indem er das Neue und Wunderlichevermittels der Schriftdeutung alt und schriftgerecht gemacht und demvon Beginn an in Auflösung begriffenen jungen Christentum einenStützpunkt gegeben hat. Die Schriftdeutung war in dieser Zeit eineMacht, welche das Unsinnigste annehmbar machen und das Unglaublichsteals notwendig erscheinen lassen konnte. Ohne einen noch so schwachenBeweis aus der heiligen Schrift, aus dem Pentateuch, den Prophetenden Psalmen und Daniel, konnte nichts Neues Anklang finden und sichbehaupten. Die pharisäische, den Wortsinn und den Zusammenhangoft entstellende Schriftauslegung, hat dem Glauben an Jesu Messianitätnach seinem Tode erst Lebensfähigkeit gegeben. Damit war das Rätselgelöst; es mußte alles so kommen. Selbst daß Jesus als Ver-brecher hingerichtet wurde, erschien bedeutungsvoll, damit die Prophe-zeiung vom Messias buchstäblich erfüllt werde. War es nicht vorherverkündet, daß er unter die Übeltäter gerechnet werden würde?^)Seine Jünger wollten sich erinnern, von Jesus bei seinem Leben ge-hört zu haben, daß er Verfolgungen und sogar dem Tode entgegengehe. So gehörten also Leiden und Tod mit zum Beweise seinerMessianität. Seine Anhänger gingen sein Leben durch und fanden in

r) Matthäus 16, 21; 17, 22 und Parallelstellen.

") Vergl. öaltzut zu Jesaia c. 53.

3) Bedeutsam ist dafür der V. Matth. 13, 52, der von den Auslegernmißverstanden wurde: „Darum ein jeglicher Schriftgelehrter, unterwiesen-rkuS-/-;) in dem Wesen des Himmelreiches, ist gleich einem Hausvater, der ausseinem Schatze Altes und Neues herausbringt." Das heißt doch wohl nichtsanderes, als daß nur ein Schriftgslehrter, wenn er zugleich an das Himmel-reich glaubt, imstande sei, das Neue dem Alten zu akkommodieren. Das Alteist Schriftunterlage, das Neue ist die Erscheinung Jesu. Daß einige Schrift-gelehrte und Weise später dem Jesutum das Wort geredet haben,

folgt aus Matth. 23, 34.

Matthäus 26, 54; Markus 15, 28.