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Geschichte der Juden.
judäischen Richtern hingegen herrschte so wenig leidenschaftlicher Haßgegen seine Person vor, daß man ihm wie jedem Verurteilten denBecher mit Wein und Weihrauch gab, um ihn zu betäuben und seineTodesschmerzen zu mildern^). Da Jesus noch vor dem Tode gegeißeltwurde, so folgt daraus, daß Pilatus ihn nach römischen Strafgesetzenbehandelt hat; denn nach den judäischen wurde die Geißelstrafe keines-wegs einem zum Tode Verurteilten aufgelegt. Die römischen Büttel(lüatorss) waren es also, die den angeblichen „König der Judäer"schadenfroh mit Ruten oder Stricken gegeißelt Habens. Diese warenes auch, die auf Pilatus' Befehl ihn ans Kreuz nagelten und ihm denschimpflichen Tod nach römischen Gesetzen bereiteten. Denn mit demAusspruch des Todesurteils von seiten des über Leben und Tod ein-gesetzten römischen Beamten gehörte der Verurteilte nicht mehr seinerNation an, sondern verfiel der römischen Staatsgewalt. Nicht dasjudäische Synhedrion, sondern Pilatus hat Jesus als Auf-wiegler und Staatsverbrecher hiurichten lassen. Die christlichen Quellenwollen wissen, er sei lebend um neun Uhr vormittags gekreuzigt worden,und erst um drei Uhr nachmittags habe er seinen Geist ausgehaucht(um 30? 35?). Sein letztes Wort sei ein Psalmwort in aramäischerSprache gewesen: „Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen"!Mi, sli, lama sodsbulrtani). Zum Hohn hätten die römischen Soldatenauf das Kreuz eine Aufschrift gesetzt: „Jesus von Nazaret, König derJudäer". Die Kreuzigung und wahrscheinlich auch die Beisetzung derLeiche fand außerhalb der Stadt auf einem für Verurteilte bestimmtenBegräbnisplatze statt, welcher den Namen Golgatha (Schädelstätte)führte b). Das war das Ende des Mannes, der an der sittlichen
1) Matth. 27, 34 und Parallelstellen. Dieser Wermutsbecher war ausMilde vorgeschrieben (Übel Labbati oder Zsinaobot II, 9. Laubsclrin 43 a).In den Evangelien wird das aber als eine Grausamkeit gegen Jesus geschildert.Auch in Betreff der gereichten Flüssigkeit differieren die Evangelien. Markus15, 23 hat noch wie der Talmud Wein mit Myrrhen (oder Weihrauch),Matthäus dagegen Essig mit Galle. Die übrigen haben den Zug gar nicht.
2) Matth. 27, 26 fg. und Parallölstellen. Aus dem Umstande, daß nach
dem Berichte der beiden, die Fakta weniger als die anderen entstellendenEvangelien (Matthäus und Lukas) Jesus vor dem Tode gegeißelt wurde:Pgcr/k/O.olaa? lv» folgert man gegenwärtig richtig, daß
das ganze Strafvollziehungsverfahren gegen Jesus nach römischen Gesetzen einge-schlagen wurde, wozu auch das Tragen des Kreuzes gehörte. Vergl. Keim, Jesusvon Nazara III, S. 390, Nr. 397, 409 ff. Jesus ist demnach von Pilatus alsStaatsverbrecher, weil er sich selbst als Messias, als König der Judäer aas-gegeben hat oder dafür gehalten wurde, hingerichtet worden. Das Synhedrionhat lediglich den Prozeß gegen ihn anhängig gemacht.
Matthäus 27, 33 Parall.