Jesu Kreuzestod.
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den Meuschensohn zur Rechten des Gottesthrones sitzen sehen, auf denWolken des Himmels einherfahrend." Aus dieser Äußerung, wenn ersie wirklich getan haben sollte, konnten die Richter entnehmen, daß ersich selbst als Gottes Sohn betrachtete. Der Hohepriester zerriß daraufseine Kleider ob der vernommenen Gotteslästerung, und der Gerichtshofverurteilte ihn als Gotteslästerer ^). Aus der Erzählung der christ-lichen Grnndquellen läßt sich nicht entnehmen, ob die Richter nach dendamals gültigen peinlichen Gesetzen ihn ungerechter Weise verurteilthätten. Der Schein war gegen ihn. Die Bestätigung des Todesurteilsoder vielmehr die Erlaubnis zur Hinrichtung holte das Synhedrionvom Landpfleger Pontius Pilatus ein, der gerade zur Festzeit inJerusalem anwesend war.
Pilatus, vor den Jesus geführt wurde, fragte ihn nach der politischenSeite seines Auftretens, ob er in seiner Eigenschaft als Messias sichals König der Juden ausgebe, und da Jesus darauf zweideutig er-widerte: „Du sagst es" 2), verhängte auch der Landpfleger das Todes-urteil über ihn. Nur das war seines Amtes. Sagenhaft ist aber derZug, Pilatus habe Jesus unschuldig befunden und ihn retten wollen,nur die Judäer hätten auf seinen Tod bestanden ^). Wenn Jesus ver-höhnt wurde und die Dornenkrone als Spott auf seine messianischeKönigswürde hat tragen müssen, so ging diese Roheit nicht von denJudäern, sondern von den römischen Kriegsknechten aus, die wohl frohwaren, in ihm die judäische Nation verhöhnen zu können. Bei den
i) Die drei ältesten, synoptischen Evangelien, oder vielmehr eine und die-selbe von allen dreien benutzte Relation, geben richtig an, daß der Gerichtshofihn wegen Blasphemie, d. h. -pi-, verurteilt hat. Und der Zug, das; der Vor-sitzende seine Kleider zerrissen habe (Matth. 26, 65; Markus 14, 63—64), sprichtdafür und wird durch die Halacha bestätigt (8nnllsärin VH, 10—II). AuchJohannes 19, 7 berichtet, er sei nach dem Gesetze verurteilt worden, weil er sichselbst zu Gottes Sohn gemacht.
2) Die Synoptiker (Matth. 27, 11; Markus 15, 2; Lukas 23, 3) lassenJesus auch hier antworten: „Du sagst es." Johannes 18, 34 f. läßt ihn da-gegen dis Frage verneinen mit der Gegenfrage: „Sagst du das aus dir selbst,oder sagten es andere von mir?" und die Erklärung hinzufügen: „Mein Reichist nicht von dieser Welt."
2) Nur Matth. 27, 24 f. hat den Zug, daß Pilatus auf seine Hände Wassergegossen zum Zeichen seiner Unschuld und den anderen vom Traum von Pilatus'Frau zu Jesu Rettung (das. 19). Da das Waschen der Hände ein judäischerBrauch war, vorgeschrieben für einen gefundenen Ermordeten, dessen Mörderunbekannt geblieben (V. LI. 21, 6), so kann ihn der römische Landpfleger nichtangewendet haben. Mit Recht sehen daher Köstlin und Hilgenfeld in diesenZügen die tendenziöse Interpolation eines paulinischcn Diaskeuasten. welcherden Heiden Pilatus und seine Frau gläubiger gegen Jesus darstellen wollteals die Judäer.
Graetz. Geschichte der Juden. III.
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