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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Geschichte der Juden.

diese Äußerung kann für die durchschnittliche sittliche Haltung des judä-ischen Mittelstandes in jener Zeit gelten. Die Schilderung der Späternvon der Verderbtheit des judäischen Volkes und von der Verworfenheitder Pharisäer zu Jesu Zeit ist rein erfunden und entspricht der damaligenWirklichkeit nicht. Die Jünger Schaminai's und Hillels, die Anhängerdes Eiferers Juda, die erbitterten Feinde der Herodiauer und Römerwaren nicht sittlich krank und bedurften allerdings des Arztes nicht.Sie Ware» nur zu sehr aufopferungsfähig. Mit Recht dachte Jesusgar nicht daran, diese bessern zu wollen. Aber ebensowenig warf ersich zum Verbesserer der Reichen und Vornehmen, der Freunde derRömer und Herodianer, auf. Diese würden den ungelehrten Sitten-richter und Prediger mit Spott und Hohn behandelt haben, wenn ersie an ihren Hochmut, ihre Käuflichkeit und Gesinnungslosigkeit gemahnthätte. Jesus hat daher mit richtigem Takt sich lediglich au diejenigenwenden wollen, welche von der judäischen Gesellschaft ansgestoßen undals gebrandmarkt behandelt wurden. Es gab im judäischen Landesolche, welche gar keine Kunde von den Heilswahrheiten des Juden-tums, von seinem Gesetze, seiner alten glanzvollen Geschichte und seinerZukunft hatten. Es gab Gesetzesübertreter ('^.barjauim), oder wiesie in der damaligen Sprache hießen, Sünder welche,

wegen religiöser Vergehungen aus der Gemeinschaft ausgestoßen, ihreRückkehr entweder nicht suchten oder nicht fanden. Es gab Zöllnerund Steuerpächter, die, wegen ihrer Vorschubleistnng der römischenInteressen von den Patrioten gemieden, dem Gesetze den Rücken kehrtenund ein sittlich wildes Leben führten, unbekümmert um Vergangenheitund Zukunft. Es gab Unwissende, niedrige Handwerker und Knechte(^.m Im-^rsr), welche selten Gelegenheit hatten, nach der judäischenHauptstadt zu kommen, den Tempel in seiner erhebenden Herrlichkeitzu schauen, oder die Lehre des Judentums zu vernehmen, und die sie,selbst wenn sie sie vernahmen, nicht verstanden. Für diese hatte derSinai nicht geflammt, hatten die Propheten nicht geeifert; denn dieGesetzeslehrer, mehr mit dem Ausbau der Lehre als mit der Belehrungder Masse beschäftigt, machten ihnen Gesetz und Propheten nicht ver-ständlich und führten sie nicht in deren Gesichtskreis ein.

An diese Volksklassen wollte sich Jesus wenden, um sie aus derVerdumpfung ihrer Gottvergessenheit und Unwissenheit, aus dem Schmutzeihrer Lasterhaftigkeit, aus ihrer Entfremdung von Gott und seinemGesetze herauszureißen. Er fühlte in sich den Beruf,die verlorenenSchafe des Hauses Israel zu retten."Die Gesunden, d. h. die Gesetzes-kundigen und Gesetzesbeflissenen, brauchen den Arzt nicht," so äußerteer sich offenherzig,sondern die Kranken, damit keins von den geringsten