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Geschichte der Juden.
beten zu, weil ihre verwahrloste Aussprache Lachen erregtes. JesuGeburtsort Nazaret bot nichts Besonderes dar; es war ein kleinesGebirgsstädtchen und keineswegs fruchtbarer als die übrigen Teile vonGaliläa und hielt keinen Vergleich mit dem quellenreichen Sichern aus.In der Nähe befindet sich ein kleiner Hügel, von wo aus man dienaheliegenden Kuppen, aber keineswegs das Meer oder den Jordansehen kann 2).
Vermöge seiner galiläischen Abstammung kann Jesus unmöglichauf der Höhe der Gesetzeskunde gestanden haben, wie sie die SchulenSchammais und Hillels in Judäa heimisch gemacht hatten. Er warmit dem geringen Maß seiner Kenntnisse und der verwahrlosten, halb-aramäischen Sprache seiner Heimat auf Galiläa angewiesen. Wasihm indessen an Kenntnissen abging, das ersetzte bei ihm das Gemüt.Tiefsittlichen Ernst und Lebensheiligkeit muß er besessen haben. Dasklingt aus allen den Äußerungen heraus, die sich als echt bewähren^),
1) Vergl. Matthäus 26, 73; Markus 14, 70. Die Beistehenden sagen zuPetrus: „Du bist ein Galiläer und deine Sprache lautet also"; vergl. b. Hirudin53 a, ZlsAilta, 24 b.
2) Renans Beschreibung Nazarets im Leben Jesu (2. Kap.) ist reineSchönfärberei, und die Phrase: „Selbst in unseren Tagen ist Nazaret noch einköstlicher Aufenthaltsort, vielleicht der einzige Ort Palästinas, wo die Seelesich von der Last . . . etwas erleichtert fühlt", ist unwahr. Ich und andereTouristen fanden die Gäßchen von Nazaret voll Unrats. Die Gegend um denThabor ist viel lieblicher und die von Sichern und selbst die von Bethlehem bisHebron viel fruchtbarer.
o) Bei der Darstellung des Urchristentums darf der Historiker nur denhistorischen, d. h. kritischen Standpunkt einnehmen. Diesen Standpunkt errungenzu haben, ist eine glänzende Seite des deutschen Geistes. Englische Deisten,Voltaire und die Enzyklopädisten haben das Christentum einfach verspottet,ohne über sein Wesen recht klar geworden zu sein. Plump ist noch die Ansichtdes Verfassers der Wolfenbüttler Fragmente lReimarus), daß Jesus einfach einBetrüger gewesen, der sich zum König der Juden habe aufwerfen wollen, undals ihm der Versuch mißlungen, die Erklärung abgegeben habe: „Mein Reichist nicht von dieser Welt!" Die Rationalisten im Anfänge des 19. Jahrhunderts,als deren Repräsentant Paulus aus Heidelberg gelten kann, schlugen den um-gekehrten Weg ein, indem sie die neutestamentlichen Wunder samt und sondersverwarfen, das Geschichtliche daran aber festzuhalten und aus das Maß desNatürlichen zurückzuführen suchten. — Epochemachend in der neutestamentlichenKritik ist Straußens Werk „das Leben Jesu" (1835). Er wies darin unwider-leglich nach, daß viele Erzählungen in den Evangelien Mythen sind, von denTrägern der jungen Kirche unbewußt gedichtet und aus dem Bestreben hervor-gegangen, die alttestamentlichen Weissagungen vom Messias als eingetroffendarzustellen. „Das und das ist geschehen, auf daß das und das erfüllt werde".Straußens kritischer Gesichtspunkt erhellte aber nur zum Teil den dunklen Grundder Evangelien; er erklärt vieles, aber nicht alles. Es blieb noch vieles inDunkelheit, das sich nicht durch diese Methode begreifen läßt. Einen weiteren