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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Geschichte der Juden.

war in der Tat ganz nach essäischem Zuschnitte. Er nährte sich vonHeuschrecken und wildem Honig und trug die Tracht der alten Propheten,ein Kleid von Kamelhaaren und einen Gürtel von Leder. Johannesscheint von der Überzeugung belebt gewesen zu sein, daß, wenn erstdas ganze judäische Volk sich im Jordan unter Bekenntnis seinerSünden baden, d. h. die essäische Lebensregel annehmen werde,die verheißene Messiaszeit nicht ausbleiben könne. Daher lud er dasVolk ein, die Taufe im Jordan zu nehmen, die Sünden zu bekennenund abzulegen und so ans das baldige Herannahen des Himmelreichesgefaßt zu sein.

Johannes mag wohl mit andern Essäern in der Wüste, in derNähe des toten Meeres seinen beständigen Aufenthalt gehabt haben,um zu jeder Zeit bereit zu sein, Bußfertige über die tiefere sittlicheBedeutung der Wassertaufe zu belehren. Sicherlich war damit dieAufnahme in den Essäerorden verbunden, vielleicht ohne die strengeRegel der Enthaltsamkeit von allem Unreinen und ohne Teilnahme ander Gütergemeinschaft. Es werden sich wohl nicht wenige gefundenhaben, tiefere, schwärmerische Gemüter, Überdrüssige an der Jämmer-lichkeit der Gegenwart, die zu dem essäischen Täufer hinausströmten.Wer wollte nicht zu dem großen Werke der Erlösung und der Förderungdes Himmelreiches beitragen, wenn es durch etwas erreicht werdenkonnte, das im Kreise des Hergebrachten und Gewohnten lag! Ob dieMenge gebessert von der Jordantaufe heimkehrte, und ob der symbolischeAkt einen tieferen, sittlichen Eindruck hinterlassen hat, darüber fehlenuns zwar Nachrichten, aber die Frage läßt sich aus der Erfahrungleicht beantworten. Im ganzen brauchte das judäische Volk, nament-lich in den mittleren Schichten der Städtebewohner, gar nicht dieserkrampfhaften Erschütterung zu innerer Besserung; es war keineswegsso lasterhaft und entartet, und die Mittel, welche ihm die ausgeprägteReligidnsform reichte, waren hinlänglich, es auf dem Wege des Gutenzu erhalten. Zu keiner Zeit war die Opferbereitwilligkeit der Massengrößer als in dieser, und dies setzt einen regen Sinn und eine guteGesinnung voraus. Wenn Leidenschaftlichkeit den einen oder denandern zu Vergehungen oder Verbrechen hinriß, so liegen ja solcheAusschreitungen in der menschlichen Schwäche. Nach zwei Seiten hinhätte vielleicht Johannes' Aufruf zur Büßfertigkeit heilsam wirkenkönnen: nach oben und nach unten, auf die durch die Römer ver-derbten judäischen Aristokraten und Reichen und auf das durch dievielfachen Kämpfe verwilderte Landvolk. Aber die Großen verlachtenwohl den gutmütigen Schwärmer, welcher durch die Jordantaufe dasWunder der messianischen Zeit herbeizuführen gedachte, und die Söhne