Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
Entstehung
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

Messianische Erwartungen.

273

erkor (o. S. 57), bestimmte es seine und seiner Nachkommen Herrschaftnur auf Zeit, bis zum Erscheinen des treuen Propheten, der die Königs-würde dem wieder zuwenden würde, dem sie gebührt, und sie gebührtevon Rechts wegen nach dem Ansspruche der Propheten dem GeschlechtsDavids, dem Gesalbten (Nasodiaod). Als die gewaltige Erschütterungim römischen Reiche erfolgte und die drei trotzigen GewaltmännerOctavian, Antonius und Lepidns scheinbar Casars Mörder züchtigen,im Grunde aber eine neue Staatsform in Rom einführen wollten undjeder sich selbst zum Alleinherrscher aufzuwerfen trachtete, als blutigeKriege alle drei Erdteile in Zuckungen versetzten, da erwartete einjndäischer dichterischer Schwärmer in Ägypten eine ganz andere Um-wälzung, den Untergang der ganzen götzendienerischen Welt und denAnbruch desReiches Gottes". In diesem Reiche werde ein heiligerKönig, der Messias, das Zepter führen:

Wenn aber Rom dereinst auch herrschet über ÄgyptenUnd es zusammen regiert, dann wird das größte der ReicheDes unsterblichen Königs unter den Menschen erscheinen.

Und es kommt ein heiliger König, dis Länder der Erde

Alle beherrschend, alle Zeiten hindurch, wie die Zeiten hinschwinden.

Die messianische Zeit, die so bestimmt erwartet wurde, sollte eineganz neue Ordnung herbeiführen, gewissermaßeneinen neuen Himmelund eine neue Erde" Herstellen. Mit dem Erscheinen Elias, welcherdes Messias Vorläufer sein sollte, werde die Auferstehung der Toteneintreten und eine zukünftige Welt sich gestalten. Die Thisbiten priesder Spruchdichter Sirach:Glücklich, die Dich sahen und die entschlafensind; denn auch wir werden des (ewigen) Lebens leben" Z.

Z Gegenüber der Behauptung Straußens, daß die Evangelien JesuMessianismus nach einem Modell ausgearbeitet hätten, und daß dieses Modell,die messianische Theorie, noch vor Jesu Erscheinen in der Anschauung der Judäerfix und fertig gewesen sei, behauptete zuerst Bruno Bauer (Kritik der evangel.Geschichte I, S. 391 fg., Philo, Strauß, Renan und das Urchristentum 1874,S. 42 fg.) das Entgegengesetzte, daß die ausgebildete Messiasidee erst späternach Entstehung des Christentums und infolge desselben sich entwickelt habe.Holzmann folgte dieser Anregung und rechtfertigte diese Annahme (Jahrb. fürdeutsche Theologie 1867, S. 389 sg.) durch Belege. Mit Recht erklärt Schürerdiese Annahme für haltlos (Lb. der neutest. Zeitgesch. 586 fg. (jetzt II 504 ff.)).Aber seine Argumente sind durchaus nicht schlagend. Das vorchristliche Alterdes ?8altsi'1n»l Laloinonis und des llsnoob steht »och nicht so fest, daß sie alsBeweismittel gebraucht werden könnten, weil in denselben die Messiasidee aus-gebildet erscheint. Ebensowenig läßt sich dafür aus der ^gosnsio Nosis unddem Buche der Jubiläen argumentieren, deren Abfassungszeit entschieden nach-christlich ist (vergl. hierzu jedoch Schürer 111^, 218 f., 277). Philo sprichtallerdings von der Erlösung Israels, aber nicht von einem Messias. Der Zeit-hintergrund von LibMina, III, 652656 ist auch noch nicht kritisch gesichert.

Graetz, Geschichte der Juden. III. 18