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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Geschichte der Jude».

Pilatus' Landpflegerschaft auftauchte, war es nun, welche eine größere,innigere Teilnahme der Heidenwelt an der Lehre des Judentums an-bahnen sollte. Aber diese Erscheinung trat durch Aufnahme fremderElemente, durch Selbstentfremdung und Entfernung von ihrem Ursprungbald in einen schroffen Gegensatz zu diesem. Die judäische Religion,welche diese Geburt in die Welt gesetzt, konnte keine Mutterfreuden anihr haben, weil die Tochter sich bald unfreundlich von ihrer Erzeugerinabwandte und Richtungen einschlug, wohin zu folgen dieser unmöglichwar. Wollte das Judentum nicht seinen eigentümlichen Charakter ab-streifen und seinen uralten Überzeugungen untreu werden, so mußtees einen schroffen Gegensatz zu dem von ihm selbst Erzeugten einhalten.Daher hat denn auch die leichte schmerzlose Geburt des zu großenDingen aufbewahrten Kindes dem Judentum hinterher Schmerzen undDrangsale in Fülle gebracht, wodurch es eine geraume Zeit hindurchbeinahe verkümmerte. Diese neue Erscheinung, diese alte Lehre inneuem Gewände, oder richtiger dieses mit fremden Elementen versetzteEssäertum ist das Christentum, dessen Entstehung und erster Verlaufin diese Zeitepoche der judäischen Geschichte fallen.

Das Christentum verdankt seinen Ursprung einem überwältigenden,dunkeln Gefühle, das die' höheren Schichten der judäischen Nation be-herrschte, und das mit jedem Tage mächtiger wurde, je unbehaglicherund unerträglicher sich der politische Zustand mit seinen Folgen ge-staltete. Die gehäuften, täglich sich erneuernden Leide», welche dieSchonungslosigkeit der Römerherrschaft, die Schamlosigkeit der herodi-anischen Fürsten, die Feigheit und Kriecherei der judäischen Aristokratie,die Selbstentwürdigung der hohenpriesterlichen Familien, die Zwietrachtder Parteien erzeugten, hatten die Sehnsucht nach dem in den prophetischenVerkündigungen verheißenen Erlöser, nach dem Messias, in einemso hohen Grade gesteigert, daß es jedem höher Begabten leicht gelingenkonnte, messianisch-gläubige Anhänger zu finden, wofern er nur, sei esdurch seine äußere Erscheinung, sei es durch seine sittlich-religiöse Haltungfür sich einzunehmen verstand. Waren die tieferen Geister ja ohnehingewöhnt, den ganzen politischen Zustand, wie er sich nach dem baby-lonischen Exil gestaltete, als einen nur vorübergehenden, als einebloße Vorbereitung zu betrachten, bis der wahre Prophet erscheinen,bis Elia wiederkommen werde, die Herzen der Väter mit den Herzender Kinder zu versöhnen und die Stämme Jakobs wiederherzustellen ^Als das Volk in feierlicher Weise den Hasmonäer Simon zum Fürsten

st Malachi, 3, 23 24; Nraotat 'Läufst Ende; Evangelium Matthäi11, 14; 17, 10 und die Parallelstellen in den anderen synoptischen Evangelien.Vergl. folgende Note.