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Geschichte der Juden.
gestimmte Seelen erglühte», vertilgt und das Leben reizlos gemacht,so daß sich die tiefer empfindenden Gemüter nach etwas sehnten, wofürsie schwärmen konnten. Unter Tiberins gab es daher mehrere römischeProselyten, die, um den religiösen Herzensdrang zu befriedigen, Geschenkefür den Tempel nach Jerusalem sandten. Doch hatte Wohl der Aber-glaube ebenso großen Anteil an der Zuneigung manches Römers undmancher Römerin zur judäischen Religion wie ihre innere Überzeugung.Der Kultus der Jsispriester fand damals ebensoviel Anhänger inRom wie das Judentum. Gerade das Unbekannte, Fremde, Mystischeübte auf die aller Idealität baren Römer eine mächtige Anziehungs-kraft ans. Die römischen Proselyten erregten nun Tiberins' besonderesMißfallen, als einst die Jsispriester Mißbrauch mit ihrem Kultus triebenund eine römische Matrone in das Netz der Verführung lockten, undals vier betrügerische Judäer eine römische Proselytin ausbeuteten.Tiberins hielt den Zeitpunkt für geeignet, gegen den judäischen Kultusin Rom wie gegen den ägyptischen einznschreiten. Diese Proselytinwar Fulvia, die Gemahlin eines bei Tiberins angesehenen SenatorsSaturninns. Als Fulvia sich zum Judentum bekannt hatte, schicktesie durch ihre judäischen Lehrer Geschenke an den Tempel, welche dieseaber für sich behielten. Sobald Tiberins Kunde von diesem Betrügeerhielt, legte er dem Senat ein Gesetz gegen die Judäer vor, und dieserfaßte den Beschluß, daß sämtliche Judäer und Proselyten in Rom beiStrafe ewiger Sklaverei die Stadt verlassen sollten, wenn sie nicht biszu einer bestimmten Frist das Judentum abgeschworen haben würden.Tiberins' Minister Sejan, der ihn mit dämonischer Gewalt beherrschte,hat ihn dazu aufgestachelt Z. Tausende jndäischer Jünglinge wurdeninfolgedessen nach der Insel Sardinien verbannt, um gegen die dortigenRäuberbanden zu kämpfen (19). Es war vorauszusehen, daß die Ver-bannten in dem ungewohnten rauhen Klima untergehen würden; alleindies war kein Grund für die hartherzigen Senatoren und den grausamenTiberins, milder gegen sie zu verfahren. Die Judäer in ganz Italienwurden mit Ausweisung bedroht, wenn sie nicht ihren religiösen Ritusaufgäben. Ganz besonders wurden die Jünglinge und Männer kräftigenAlters gezwungen, auch am Sabbat die Waffen im Heere zu gebrauchen,und wenn sie aus religiösen Bedenken sich dessen weigerten, wurden siehart bestraft 2 ). Das war die erste Religionsverfolgnng gegen die Judäer
*) Philo gegen Flaccus I, U. II, 517. Gesandtschaft an Casus 24, Ll. II, 569.
2) Die vier Quellen, welche darüber berichten, stimmen nicht ganz übereinund müssen ausgeglichen werden. Josephus (Altert. XVIII, 3, 4—5) spricht vonVerbannung von 4000 Judäern nach Sardinien und von Bestrafung vieler,welche am Sabbat nicht kämpfen mochten: rilklorovs S- exoluaa,' ^ St'-.arr«?