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.Geschichte der Juden.
anziehenden und erhabenen Dichtung zu lösen versucht wurde. Dazugehörten ferner die Klagelieder Jeremias beim Untergang Jeru-salems und beim Beginn der babylonischen Gefangenschaft, die schöneIdylle des Buches Ruth, welche in der Zeit nach der Rückkehr aus derGefangenschaft der Verschwägerung mit den fremden Völkern, die indie jndäische Lebensgemeinschaft treten wollten, das Wort reden wollte(L. Ilb. 136); das Dreibuch Chronik, Esra und Nehemia, welchesdie Zustände und Vorgänge nach der Rückkehr aus dem Exile darstellt.Sodann das Hohelied, welches in einer de» stürmischen Tagen voran-gehenden ruhigen Zeit ebenfalls unter dem Namen Salomos gedichtetworden war (das. 257), und die beiden Bücher Daniel und Esther,in der Draugsalszeit der Makkabäerkämpfe zur Tröstung und Erhebunggedichtet (das. 332», und endlich das Buch Kohelet, das die trübeZeit der letzten Vergangenheit vergegenivärtigt (o. S 236 f.). Alle dieseSchriften, die, ohne irgend einen heiligen Charakter zu besitzen, nurdem einzelnen zur Privatlesung dienten, wurden auch zum Privat-gebrauch benutzt; die Tierfelle, ans welchen sie geschrieben waren, dientenauch als Sattel zum Reiten oder sonst wie.
Dem Synhedrial-Kollegium aus den beiden Schulen Schammalund Hillel schien aber der Mißbrauch solcher Schriften, die doch in derheiligen Sprache verfaßt sind, und in denen — mit Ausnahme desBuches Esther — der heilige Gottesname genannt wird, als eine Ent-würdigung. Aber wie dem Unfug steuern? Abermals vermöge derStrenge der levitischen Reinheitsgesetze. Diese Schriften waren näm-lich meistens in den Händen der Priester (Ahrouiden), die sich von denPriesterabgaben (Hebe, Opferfleisch) ernährten. Die beiden Schulenerklärten nun mit einem Male: wer ein heiliges Buch auch nur berührt,gilt insoweit als unrein, als er von den genannten Gaben nichtszehren dürfe, bis er sich gebadet habe. Da das aber etwas umständ-lich war, so zogen es die Priester vor, lieber so selten als möglich mitdiesen Schriften in Berührung zu kommen. Drollig genug klang aller-dings die Maßregel, daß heilige Schriften eine verunreinigende Wirkunghaben sollen! Die Pharisäer, die sie eingeführt, sind auch wirklich vonihren Gegnern, den Sadduzäern, ausgelacht worden. Diese spotteten:wer ein heiliges Buch anrührt, dessen Hände sind unrein, wer aberBlätter von Tagesneuigkeiten (Hsmoras) liest, ist nicht unrein! Aberder Spott hat noch niemals den religiösen Übereifer entwaffnet. DieMaßregel der beiden Schulen blieb vielmehr so lange in Kraft, bisdie Gesetze über Reinheit und Unreinheit überhaupt in Verfall kamen.
So seltsam die Maßregel auch ist, so hatte sie doch die ersprieß-liche Seite, daß diese Schriften vor dem Untergang bewahrt blieben.