Die Schule Hillels und Schammais.
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Eigentum des römischen Herrschers wäre, über welches er nach Beliebenverfügen könnte. Man kann es den mit der römischen StaatsverfassnngUnbekannten nicht verdenken, wenn sie den Zensus als eine Form derSklaverei betrachteten und ein dem babylonischen ähnliches Exil mitbangem Herzen erwarteten. Diese, wenn auch übertriebene, so dochnicht ganz ungerechtfertigte Auffassung des Zensus rief, wie keine Maß-regel vorher, eine tiefe Bewegung im ganzen Lande hervor und erzeugteneue Parteistellnngen, welche die alte Entzweiung zwischen Pharisäernund Sadduzäern ganz in den Hintergrund drängte. Andere Gefühle,andere Stichwörter kamen jetzt an die Reihe. Die Frage, ob denmündlichen Gesetzesbestimmungen Gültigkeit zukomme oder nicht, wichvor der brennenden Frage, ob man sich von den Römern knechten oderihnen energischen Widerstand leisten sollte, und die Antwort daraufspaltete die Pharisäer selbst in zwei Lager. Die infolge des Zensusentstandene neue Parteistellung ging aus dem Schoße des Synhedrion,aus dem Kreise des Lehrhauses, hervor; sie knüpfte sich an die NamenHillel, Schammal und Inda, den Galiläer.
Hillel und Schammal haben wohl kaum die Katastrophe erlebt,welche Judäa in das Provinzialverhältnis zu Rom brachte. Die Nach-richt, daß der erstere vierzig Jahre das Synhedrialpräsidinm ein-genommen habeZ, entbehrt der geschichtlichen Gewißheit. Hillels Todhat in weiten Kreisen Trauer verbreitet; die Gedächtnisrede an seinemGrabe begann mit dem Schmerzensrufe: „O frommer, o sanftmütiger,o würdiger Jünger Esras^)!" Die Anhänglichkeit des Volkes an ihnerstreckte sich auch auf seine Nachkommen; das Synhedrialpräsidinmwurde seitdem in seinem Hause erblich, und es behauptete sich in dieserWürde über vier Jahrhunderte. Von Hillels Sohn und NachfolgerSimon I.^) ist bis auf den Namen nichts bekannt; desto mehr Be-deutsamkeit erlangte die von Hillel gegründete Schule, welche den Geistihres Gründers geerbt und treu fortgepflanzt hat. Ihre Anhängerzeigten im öffentlichen Leben dieselbe Friedfertigkeit, Sanftmut und Nach-giebigkeit wie ihr Meister und bewährten diesen Charakter währendder großen Reibungen und Stürme, denen Judäa preisgegeben war.Von den Jüngern, die sich Hillel eng angeschlossen haben und „dieÄltesten der Hillelschen Schule" (8ibus bst Hills!) genannt werden,in runder Zahl achtzig, sind nur zwei dem Namen nach bekannt: Jona-
fl 8itri Ende. fl 8ota 48 b und Parallelstellen.
fl 8abbat 15 a 8säsr llannaim srvs - ^nwraiw (scl Graetz, Breslau 1871),S. 27).
fl Linbin 13 b. Vergl. lossxbta ObaZ'iKa II, 110 ff. und Parall. lom20 a. serus. das. 81 o.