Kriegsepoche des Var»s.
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Posten nach Antiochien, ließ aber doch eine hinlängliche Truppenzahlzurück, um jedem erneuerten Versuch zu begegnen. Kaum war derStatthalter abgezogen, so traf ein anderer römischer Plagegeist inJerusalem ein, Augustus' Schatzmeister Sabinus, den sein Herr ab-gesandt hatte, um Herodes' Schätze und vermutlich auch den Tempelschatzmit Beschlag zu belegen, als wenn der Kaiser der rechtmäßige Erbedes herodianischen Nachlasses gewesen wäre. Sabinus muß nichts Gutesim Sinne gehabt haben; denn obwohl er Varus versprochen hatte, biszur Entscheidung des herodianischen Testamentes in Cäsarea zu ver-weilen, beschleunigte er dennoch seine Reise nach Jerusalem*). Weilihm aber die von Archelaus bestellten Hüter der Schätze nicht willfährigwaren, reizte er die Menge förmlich zu einem Aufstande auf, um Ver-anlassung zum Einschreiten zu Habens.
Indessen rückte das Wochenfest heran, das abermals eine MengeVolkes aus allen Teilen dies- und jenseits des Jordan nach Jerusalemführte, von denen die meisten mit dem Gedanken gekommen waren,gegen die Römer und Herodianer einen Schlag zu führen. Der Kampfblieb nicht aus; die Volksmassen, die ihre Führer gefunden hatten,nahmen den Tempelberg und den Hippodrom ein und bedrohten dieRömer, die im Palaste des Herodes in der Oberstadt ihr Quartierhatten. Sabinus hielt sich für verloren, ermunterte einerseits von derHöhe des Turmes Phasael, wohin er sich zur Sicherheit zurückgezogenhatte, die Römer znm Angriff auf den Tempel und sandte andererseitsEilboten an Varus, damit er Verstärkung zu ihm stoßen lasse. Diejudäischen Angreifer wären vermittelst der Geschosse und Steine, diesie von der Tempelmaner auf die Römer schleuderten, Sieger geblieben,wenn die Feinde nicht brennbare Stoffe auf das Dach der Säulen-gänge geworfen hätten, wodurch diese in Brand gerieten. Das Feuergriff so schnell um sich, daß die Kämpfenden nicht Zeit hatten, sich zuretten, und teils durch das Feuer, teils durch die Schwerter der Römer,teils durch Selbstmord aus Verzweiflung umkamen. Sobald der Tempelvon seinen Verteidigern verlassen war, stürzten sich die Römer, vondem Schatze angezogen, in die Vorhöfe. Sabinus allein soll sich vier-hundert Talente angeeignet haben ^). Andere Verwüstungen, die die Römerim Tempel angerichtet haben, sind in den Quellen nur angedeutet. —Der Raub des Tempelschatzes, die Entweihung des Heiligen und dieZerstörung der Tempelhallen, kaum zehn Jahre nach ihrer Vollendung,fachten Wut und Mut zum neuen Angriff gegen Sabinus an. Selbstdie meisten herodianischen Truppen gingen zu den Unzufriedenen über
U Josephus Altert. XVII, 9, 3; 10, 1.
2) Das. °) Das. 10, 2.