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Geschichte der Juden.
und eben weil alles Schein war, zerrann nach dem Ableben dessen,der ihn zu behaupten gewußt hatte. Sobald der Tod seinen Händendie Zügel entrissen hatte, trat eine Zerfahrenheit in dem öffentlichenLeben ein, die der Vorbote neuer und anhaltender Unglückstage war.Der äußerlich zusammengehaltene Staatsbau löste sich alsbald auf,stürzte zusammen und begrub unter seinen Trümmern alles, was nochan Freiheit und Nationalität in Judäa geblieben war.
Herodes hatte von seinen zehn Frauen sechs Söhne (und mehrereTöchter) noch am Leben gelassen, die er in seinem Testamente zum Teilbegünstigte, zum Teil hintansetzte. Wie wenig ihm an der GrößeJudäas gelegen war, und wie sehr ihn in allen Angelegenheiten nurdie Selbstsucht leitete, zeigte die Eröffnung des Testamentes, mit demPtolemäns, der Bruder des berühmten Geschichtsschreibers Nikolaosvon Damaskus, betraut war. Anstatt Judäa in seiner Einheit zu-sammenzuhalten, zerstückelte er es, um drei seiner Söhne mit Teilen des-selben zu belehnen; die übrigen, Herodes, seinen Sohn von der zweitenMariamne, einen andern Herodes von der Jerusalemerin Kleopatraund Phasael von der Pallas, bedachte er gar nicht. Seinem SohnArchelaus von der Samaritanerin Malthake hinterließ er Judäaund Samaria und dessen Bruder Antip as die Landesteile (Tetrarchie)Galiläa und Peräa, Philipp von der Jerusalemerin Kleopatraeine andere Tetrarchie, größtenteils von wilden Völkerschaften bewohnt,Gaulanitis, Batanäa, Trachonitis, Auranitis und das Quellgebict desJordan unter dem Namen Paneas. Seiner Schwester Salome ver-machte er als Belohnung für ihre Treue die Einkünfte der StädteJamnia, Azotus und Phasaelis (im Norden von Jericho). Indes hatteHerodes diese letztwillige Verfügung und die anderweitigen Schenkungennur als Wunsch ausgesprochen, und es dem Kaiser Augustns über-lassen, sie zu bestätigen oder anderweitig über Land und Nachfolgerzu bestimmen. Die brüderlichen Erben, wie sie ohne Liebe gezeugtund erzogen worden, waren auch nicht durch das Band geschwisterlicherLiebe untereinander vereinigt. Jeder beneidete den anderen um seinenAnteil; namentlich gönnte Herodes Antipas seinem Bruder Archelausweder die größeren Landesteile, noch den Königstitel, da er in einemfrüheren Testamente als einziger Thronfolger bestimmt gewesen war.Salome, die Vielvermögende, empfand ebenfalls Haß gegen Archelansund trachtete darnach, ihm die Nachfolge streitig zn machen. DieZwietracht des herodianischen Hauses vererbte sich auf Kinder undKindeskinder. Weil Herodes Verfügung von einem höheren Willenabhing, bestrebten sich die dabei interessierten Personen, die Volksgunstzu erlangen, um an ihr eine Fürsprecherin bei Augustns zu haben.