242
Geschichte der Juden.
Haus zu gehen und sich den Tod zu wünschen. Auch sich zu härmenund zu kasteien ist kein Grund. Das Leben, da es von Gott stammt,hat seinen Wert. „Für alle Lebenden gibt es eine Hoffnung; einemlebendigen Hunde geht es besser als einem toten Löwen. Die Lebendenwissen, daß sie sterben werden. Die Gestorbenen wissen aber gar nichts" st.Schroff stellt sich der Verfasser in Gegensatz zu denen, welche denTodestag für erwünschter hielten als den Geburtstag. „Süß ist dasLicht und angenehm für die Augen, die Sonne zu schauen. Wenn derMensch viele Jahre lebt, sollte er sich aller freuen; denn die Tage derFinsternis werden noch mehr sein. Darum, freue dich, Jüngling,deiner Jugend", — so redet der Verfasser die Träger der Zukunftan, daß sie sich nicht von den Schwarzsehern verdüstern lassen mögen. —„Laß dich dein Herz froh machen in den Tagen deines Mannes-alters, entferne Trübsinn aus deinem Herzen und laß Harm fahrenvon deinem Leibe; denn Jugend und Manneskraft sind vergänglich" st.
Gegenüber den Lebensverächtern und den sich Kasteienden hieltes der Verfasser für nötig, nach der nüchternen sadduzäischen An-schauung, sich recht derb auszusprechen: „Nichts ist besser im Leben,
als zu essen und zu trinken und sich seines Lebens zu freuen. Dennes ist eine Gabe Gottes" und darum nicht zu verachten st. — „Geh,iß in Freuden dein Brot und trinke mit freudigem Herzen deinenWein; denn Gott hat dein Tun längst gebilligt. Genieße das Lebenmit dem Weibe, das du liebst alle Tage deines vergänglichenLebens" st. — Wie sehr muß die Wcltflucht und die Enthaltsamkeitvon der Ehe um sich gegriffen haben, daß ein Sittenlehrer es fürseine Pflicht hielt, eine Ermahnung, die Freuden des Lebens zu genießen,an seine Zeitgenossen zu richten!
Rätselhaft ist es, warum dieser Sittenlehrer auch gegen denUnsterblichkeitsglauben ankämpft. Hat dieser Glaube die Lebens-verachtung gefördert, daß der seltsame Prediger eiuschärfcn zu müssenglaubte: „Alles, was deine Hand erreichen kann, mit deiner Kraft
zu tun, das tue; denn es gibt kein Tun, keine Berechnung, kein Wissen,keine Klugheit im Grabe, wohin du gehst" st. Keck leugnet er dasFortleben der Seele nach dem Tode, gegenwärtig Ausgangs- undZielpunkt der herrschenden Religionsauschaunng. „Das Geschick derMenschen und der Tiere ist gleich; wie diese sterben jene, Vorzug desMenschen vor dem Tiere gibt es nicht, alles vergänglich, alles gehtzu einem Orte, alles aus Staub gewordene kehrt zum Staub zurück.
st Lobslst 9, 4 —5.
2) Das. II, 7ff. st Das. 2, 24; 3, 12—13; 8, IS. st Das. 9, 7-9.
st Das. 9, 10.