Herodes' letzte Krankheit.
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Jdumäer und Römer ihnen gleich verhaßt waren, so bildete sich einübereingekommenes Verständnis, alles Gehässige von Jdumäern in derheiligen Schrift ohne weiteres ans Rom und Römlinge zu übertragen.So hatten die judäischen Volkslehrer eine Menge Stichwörter, dieNationalfeinde zu brandmarken, ohne daß diese es merken konnten, undihre Äußerungen wirkten um so eindringlicher ans die Zuhörer, alsdie Übertragung biblischer Redeweise auf Zustände und Personen derGegenwart mit Witz verbunden war und einen eigenen Reiz hatte.Die Notwendigkeit, feindselige Äußerungen über Rom und Herodeszn verhüllen, erzeugte eine eigentümliche, gewandte, beziehungsreicheVortragsweise, voll feiner Anspielungen und rätselhafter Andeutungen,welche inan Agada nennt. Unter der Form der Auslegung der heiligenSchrift konnten die Volkslehrer ihre freien, wahren Gesinnungen anden Tag legen. Die Agada, die, wenn nicht ihren Ursprung, doch ihreAusbildung in dieser Zeit erhalten hat, war eine scharfe Waffe in denHänden der Pharisäer, die dazu diente, die Massen gegen die Feindeder Nation aufzustacheln.
Unter den Herodes und den Römern feindseligen Pharisäernzeichneten sich zwei durch Eifer und Rücksichtslosigkeit aus: Juda b.Sariphak, und Matthia b. Margalot, und waren deshalb sehrbeliebt. Sobald sie von Herodes' schwerer Krankheit hörten, stacheltensie ihre Zuhörer auf. der Tempelschändung ein Ende zu machen undden römischen Adler über dem Tempelportale herunterzuschlendern. EinGerücht, das sich in Jerusalem verbreitete, Herodes sei verschieden, be-günstigte das gewagte Unternehmen. Sofort drangen viele Jünglingemit Äxten zum Tempclportale, ließen sich au Seilen hinaufzieheu undschlugen den Adler herunter. Bei der Nachricht von dem Volksauflaufe. ließ ein Hauptmanu die Herodiauischen Truppen aufmarschieren, aufdie Adlerzerstörer fahnden und vierzig derselben samt den beiden Führerngefangen nehmen. Herodes' erschöpfte Lebensgeister blitzten wieder aufbeim Anblick der Opfer, die seinem Rachegefühle verfallen waren. BeimVerhöre mußte er Worte hören, die ihm bewiesen, daß er doch zuschwach war, den zähen Volkswillen zn brechen. Die Gefangenen ge-standen ohne Furcht ihre Tat ein, rühmten sich derselben, und auf dieFrage, wer sie dazu gereizt, antworteten sie: „das Gesetz". Er ließsie sämtlich als „Tempelschänder" lebendig verbrennen') und machtesogar Miene, die Verfolgung weiter auszudehne», ein Vorsatz, von demihn jedoch wohl eher die Furcht, als die Milde zurückgehalteu habenmag. Der Hohepriester Matthia, welcher bei dieser Adlerzerstörung
') Joscphus Altert. 6, 2—4.