Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
Entstehung
Seite
215
Einzelbild herunterladen
 

Mariamnes Tod.

215

Sabbat, so wurde ihnen ihr Anteil am darauffolgenden Tage verab-reicht. So hatte es der erste Kaiser angeordnet').

Dem judäischen König schenkte Octavian die Leibwache der Kleo-patra, vierhundert Gallier (oder Kelten), und gab ihm sämtliche vonJudäa losgerissenen Seestädte (S. 163) und das Gebiet von Jerichozurück. Auch Sa maria, Gadara und Hippos wurden Judäa ein-verleibt 2). So hatte es wieder denselben Umfang, den es vor demBruderkriege und der Einmischung der Römer eingenommen hatte.Aber unter welchen veränderten Umständen! Daß der erste KaiserOctavian Augnstns für den Temvel Geldmittel zu täglichen Opfernangewiesen hat^), ist gewiß eine Übertreibung seiner Gunstbezeugung.Wohl aber wurde, vermutlich auf Veranlassung von Herodes' maß-loser Schmeichelei, seit der Zeit im Heiligtum für das Wohl derrömischen Cäsaren geopfert^). Augnstns wie seine Gemahlin weihtengoldene Weinkrüge für den Tempel^).

Herodes stand jetzt auf dem Gipfel seiner Macht; das Mißge-schick war nicht nur von ihm abgewendet, sondern hatte auch beige-tragen, ihn noch mehr zu erhöhen. Aber er sollte das Glück nichtgenießen. Die Strafe seiner Verbrechen heftete sich an seine Ferse undverwandelte ihm den Frendenkelch in Wermut. Es ereignete sich indem engen Kreise seines Hauses ein Trauerstück, wie es die Phantasiedes Dichters nicht tragischer ersinnen kann, und erfüllte sein Herz mitstechenden Schmerze». Martamne, die während seiner Abwesenheitmit ihrer Mutter wie eine Gefangene behandelt wurde, hatte vonihrem Kerkermeister Soem den geheimen Befehl erfahren, den Herodesschon znm zweiten Male gegeben hatte, sie nicht seinen Tod überlebenzu lassen. Bei seiner Rückkehr machte sie keinen Hehl ans ihremHasse gegen ihn, und wenn er ihr von zärtlicher Liebe sprach, hieltsie ihm den Tod ihres Bruders und ihres Großvaters, den Tod ihrerVerwandten, entgegen. Herodes' Herz war gefoltert von der Liebe zudiesem schönen Weibe, dessen Besitz zugleich seine Sinne und seinenEhrgeiz befriedigte, und von Haß gegen diese Feindin seiner Personund seiner Macht. In diesem, sein ganzes Wesen erfüllenden Mißmutwar er nur allzu sehr geneigt, einer Jntrigue seiner schadenfrohenSchwester Salome, daß Mariamne seinen Mundschenk bestochen habe,

r) Philo Gesandsch. an Casus 23 II. II, 568 f.

2) Josephus das. XV, 7, 3.

Philo Gesandtschaft an Casus 23. 40. 11. II, 569, 592. sJos. j. Kr.II, 10, 4. 17, 2 ff., gegen Apion II, 6.)

Z Philo das. Josephus jüd. Kr. II, 17, 34.

°) Philo das.; Josevhus j. Kr. V, 13, 6.