Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
Entstehung
Seite
200
Einzelbild herunterladen
 

200

Geschichte der Juden.

sich zu diesem Zwecke mit der auf Herodes neidischen Königin Kleopatraverschworen und zwei Särge bestellt, in welche sie und ihr Sohngelegt werden sollten, um, ohne Verdacht zu erregen, die Stadt ver-lassen und nach Ägypten entkommen zu können. Aber Herodes, demdiese Jntrigne verraten worden war, überraschte Mutter und Sohnin den Särgen und verhinderte ihr Entfliehen. Desto eifriger mußteer daran denken, sich des gefährlichen Jünglinges zu entledigen.Ohnehin hatte Aristobul das Herz des Volkes für sich eingenommen;so oft er im Tempel erschien, weideten sich die Angen aller an seinerschönen, hochragenden Gestalt, und man konnte in ihren Angen denWunsch lesen, diesen letzten Sproß der Hasmonäer auch mit derKönigskrone geziert zu sehen. Mit Gewalt konnte Herodes gegendiesen Nebenbuhler nicht verfahren, da die vielvermögende KleopatraAristobnls Gönnerin war. So nahm er denn zur List seine Zuflucht.Er lud ihn nach Jericho, seinem Lieblingsaufenthalte, ein und gabseinen Dienern die Weisung, dem Jünglinge im Bade spielend denGaraus zu machen, die auch Pünktlich ansgeführt wurde (Herbst 35^).Mit dem achtzehnjährigen Aristobul III. starb der letzte Stammhalterdes Hasmonäerhauses. Ananel wurde znm zweiten Male Hoherpriester.Vergebens heuchelte Herodes die tiefste Trauer um den Tod seinesjungen Schwagers, vergebens verschwendete er Wohlgerüche für dieLeiche; Verwandte wie Freunde der Hasmonäer klagten ihn des Mordesan, aber die Livpen wagten nicht, den Gedanken laut werden zu lassen.

Diese Untat hatte aber die traurigsten Folgen für ihn und machteihm das Leben bis an sein Ende zur Höllenstein. Sie erregte nichtetwa Gewissensbisse und Reue in diesem Kieselherzen, sondern einenimmer mehr sich steigernden Unfrieden in seinem Hanse, der die seinemHerzen Teuersten als Opfer hinraffte und ihn selbst znm Unglücklichstender Menschen machte. Selten hat sich ein Verbrechen in so sichtbarerVerkettung mit so brennenden Zügen an seinem Urheber gerächt wiean Herodes. Aber was bei einem minder verstockten Herzen Veran-lassung zur Umkehr gewesen wäre, das war für ihn ein Sporn, Ver-brechen auf Verbrechen zu häufen, seine nächsten Verwandten undKinder zu morden und so als abschreckendes Beispiel von der über-wältigenden Macht eines sündigen Lebens dazustehen.

Alexandra, die ihren Ehrgeiz auf die Erhebung ihres Sohnesgesetzt und sich um ihre Hoffnungen betrogen sah, verfehlte nicht,Herodes bei Kleopatra als Mörder anznklagen, und diese maßlosleidenschaftliche Königin, welche auf Herodes Länder ein lüsternes

i) Josephus Altert. XV, 2, ö7; 3, 13.