Cassius Unmenschlichkeit in Judäa.
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Mit Ehren überhäuft, war Herodes im Begriffe, die ihm angetaneSchmach, ihn wegen seiner Handlungsweise zur Verantwortung gezogenzu baben, an seinem Herrn und den Richtern blutig zu rächen. Nurmit Mühe konnten ihn sein Vater und sein milder gesinnter BruderPhasael von diesem Vorhaben abbringen. Aber er grub die Rachetief in sein Herz, um sie später anszuführen.
Tie tiefgreifende Erschütterung, welche die Ermordung Cäsars(März 44) nach sich zog, brachte Judäa nur neue Drangsale, und niitRecht waren die Jndäer Roms über Cäsars Tod fa nntröstlicb, daßsie mehrere Nächte hindurch bei seinem Aschenhügel trauerten*). FürRom waren die krampfhaften Zuckungen, die blutigen Kriege, die Pro-skriptionen nichts weiter, als die schweren Geburtswehen einer neuenOrdnung der Dinge; für Judäa hingegen, das die Wirkungen derselbennicht minder verspürte, waren sie gewissermaßen die Anzeichen einesauflösenden Siechtums. Wie an vielen Punkten des römischen Reiches,so verdrängten auch in Judäa die republikanischen Gewalthaber diecäsarianische Partei, um ihr bald darauf wieder das Feld zu räumen.Der Republikaner Cassius Longinus war (Herbst 44) nach Syriengekommen, um Legionen und Geld aufzutreiben. Auch in Judäa dranger ein, weil es hieß, daß von den Cäsar anhänglichen Legionen inÄgypten Scharen in dieses Land gezogen wären, um an den Mördernden Tod ihres bewunderten Helden zu rächen^). Hauptsächlich war esaber Cassius um Brandschatzung zu tun. Denn nach seiner Meinunggab es keine reichere Goldmine als Judäa. War er ja Zeuge gewesenwie Crassus erstaunliche Summen aus dem Tempel zu Jerusalemfortgeschleppt hatte.
Freilich hatte Cassius vergessen in Rechnung zu bringen, daß dieidumäischen Vormünder von den Römern gelernt hatten, Schätze zuheben und flüssig zu machen. Es war daher unter den damaligenUmständen nicht mehr so leicht, die siebenhundert Talente zu erschwingendie Cassius in der kürzesten Zeit herbeizuschaffen befohlen hatte. Antipatermußte vielmehr, um sich mit den Machthabern des Tages in gutemEinvernehmen zu erhalten, das Eintreiben der auferlegten Summe unterseine Söhne und Freunde und einen der treuen Freunde Hyrkans,Malich, verteilen. Die elfteren, besonders Herodes, entwickelten einenerstaunlichen Eifer, ihren Anteil von den Bewohnern der ihnen unter-gebenen Landesteile zu erpressen und schnell an Cassius abzuliefern.Herodes bewarb sich um die Gunst der Republikaner ebenso eifrig, wieer vorher und nachher um die Huld ihrer Gegner gebuhlt hat. Malich
*) Sueton, Julius Cäsar 84. Dio Oassins 47, 28.