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Geschichte der Juden.
Solchen Bestürmungen konnte Hyrkans schwaches Herz nicht wider-stehen, und er erteilte dem Tribunal die Erlaubnis, Herodes vor denRichterstuhl zu laden. Der Gerichtshof, dessen Mitglieder zum größtenTeil Herodes' Ankläger bei Hyrkan gewesen waren, säumte nicht, Hyrkanzu veranlassen, den übermütigen Jdumäer aufzufordern, sich in einerbestimmten Frist zu stellen und sich wegen der Hinrichtung des Ezekiaund seiner Mannen zu rechtfertigen. Antipater aber verfehlte nicht,seinen Sohn von dem drohenden Gewitter, das sich über seinem Hauptezusammenzog, in Kenntnis zu setzen, und ihn zu warnen, nicht ohnesichere Bedeckung in Jerusalem einzutreffen, aber auch nicht zuviel Truppen mitzubriugeu, um nicht Hyrkan argwöhnisch zu machen.Herodes stellte sich zur bestimmten Frist, aber unter bewaffneter Be-gleitung, und brachte ein Schreiben von Sextus Cäsar an Hyrkan mit,worin dieser den Ethnarchen für das Leben seines Schlitzauges ver-antwortlich machte. So nahte die Gerichtsverhandlung heran, welcheJerusalem in fieberhafte Spannung versetzte. Von dem Ausgangedieses Prozesses hing sehr viel ab. Als die Mitglieder des Gerichts-hofes, in dessen Mitte sich auch Hyrkan befand, ihre Sitze eingenommenhatten, erschien der Angeklagte im Pnrpurgewand, selbst bewaffnet undvon bewaffneten Trabanten umgeben, mit herausfordernder Miene.Bei diesem Anblick entsank den meisten der Mut. Sie fühlten schondas kalte Schwert an ihrem Halse, und selbst diejenigen schlugen dieAugen zu Boden, die am meisten Erbitterung gegen ihn gezeigt hatten.Selbst Hyrkan war betroffen. Ein peinliches Stillschweigen trat ein,jeder hielt den Atem an sich. Nur ein einziger fand das Wort,die niedergetretene Würde des Gerichtshofes zu retten, der SynhedristSchein aja. In ruhiger Haltung sprach er die Worte: „Stehet der ausden Tod Angeklagte nicht da, um uns sofort dem Tode zu weihen,wenn wir das Schuldig über ihn aussprechen? Und doch kann ich ihnweniger tadeln, als euch und den König, daß ihr eine solche Schmähungder Gerechtigkeit duldet. So wisset denn, daß derselbe, vor dem ihrjetzt zittert, euch alle einst dem Henkerbeil überliefern wird"*). DieseWorte rüttelten den Mut und das Gewissen der Richter wieder auf,und sie zeigten sich im nächsten Augenblick ebenso erbittert, als siefrüher feige waren. Hyrkan aber fürchtete diesen auflodernden Zorndes Tribunals und befahl, die Sitzung zu vertagen. Inzwischen entzogsich Herodes auf Hyrkans Rat der gegen ihn gerichteten Feindseligkeitund kehrte nach Damaskus zurück, wo ihn Sextus Cäsar mit offenenArmen aufnahm und ihn zum Statthalter von Cölesyrien ernannte (46).
ff Josephus Altert. XIV, 9, 4. Note 15.