Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
Entstehung
Seite
179
Einzelbild herunterladen
 

Anklage gegen Herodes. 17 9

Römerherrschaft zu überantworten und ihr den Fuß auf den NackenZu setzen. Gleich einer unheilschwangeren Wolke warf er bei seinemersten Auflreten einen düsteren Schatten auf das Leben der Nation,und die Dunkelheit nahm immer zu, bis alles mit dichter Finsternisbedeckt und jeder Glanz erloschen war und alles in wirrem Traumestrauchelte und fiel. Treu der ränkevollen Politik seines Vaters, begannHerodes damit, den Römern kriechend zu schmeicheln und die judäischeuGemüter zu verletzen. Um sich die Gunst der Fremdherrschaft zu er-werben und zugleich für die Sicherheit seiner Familie zu sorgen, unter-nahm er einen Kriegszug gegen die Freischar des Ezekia, machte diesenzum Gefangenen und ließ ihn mit seinen Genossen ohne Verhör undohne Untersuchung ihrer Vergehen enthaupten. Die Syrer und Römerhatten nicht Worte des Dankes genug für den Räuberbändiger, wie sieihn nannte». Sextus Cäsar, ein Verwandter des römischen Dikta-tors und von diesem als Statthalter von Syrien eingesetzt (Juli 47bis etwa Frühjahr 46), überhäufte Herodes wegen dieser Taten mitGunstbezeugnngen. Aber die Vaterlandsfrennde trauerten; sie sahenmit Schrecken, daß sich aus dem Basiliskenei eine giftige Schlange ent-wickelt hatte, daß Antipaters Söhne ihren Vater an Frechheit nochübertrafen; sie ahnten, daß, wenn den Antipatriden Spielraum gelassenwürde, der Nationalkörper sich werde zu Tode verbluten müssen.Schaltete doch die idumäische Familie über die Nationalgüter wie überihr eigenes Vermögen und verwendete sie dazu, die Zuneigung derRömer zu fesseln. Der Schmerz über die tiefe Demütigung, welcheHyrkan und die Nation durch die Jdumäerfamilie erfuhr, gab ange-sehenen Männern den Mut, den schwachsinnigen König auf seine traurigeLage aufmerksam zu machen. Sie stellten ihm vor, wie seine Würdeein leerer Klang geworden, die Fülle der Macht hingegen sich bei Anti-Pater und seinen Söhnen befände, und wie sie bald ihm selbst Gesetzevorschreiben würden. Sie wiesen auf die Hinrichtung des Ezekia undseiner Genossen als auf eine dem Gesetze zugefügte Verhöhnung hin.Herodes hatte ohne königliche Vollmacht bloß nach eigenem Beliebenin die Gerechtsame des Tribunals oder des Königs eingegriffen undein Todesurteil vollstreckt. Diese Worte hätten wohl kaum einen Ein-druck auf den Schwächling Hyrkan gemacht, wenn nicht die Mütter derErschlagenen sein Herz durch Jammergeschrei zerrissen hätten^). Sooft er sich im Tempel blicken ließ, warfen sie sich vor ihm nieder undbeschworen ihn unter Wehklagen, den Tod ihrer Söhne nicht unge-ahndet zu lassen.

y Josephus Altert. XIV, 9, 34.