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Geschichte der Juden.
traurige Vorfall hatte demnach auch eine günstige Seite für das Juden-tum, indem er die heidnischen Vorurteile und Fabeln, die durch bös-willige alexandrinische Schriftsteller und Antiochos Epiphanes über dasJudentum verbreitet waren, zerstreut hat. War es Scheu vor demgewaltigen Eindruck, den die bildlose Erhabenheit des Tempels erweckthat, oder war es Vorsicht, um nicht von seinen Feinden als Tempel-räuber verschrieen zu werden; jedenfalls bleibt es merkwürdig, daßPompejns, seine Geldgier bezwingend, den Tempelschatz, in welchemsich nicht weniger als zweitausend Talente befanden*), unberührt ließ.Dem Zufälle, daß der römische Eroberer Jerusalems nicht zu den Ent-artetsten gehörte, hatte es Judäa zu verdanken, daß es bloß das Vor-spiel der Tempelzerstörung genossen, und daß es damals noch demScheine nach als ein selbständiger Staat fortdauern konnte. Aber dieUnabhängigkeit war von dieser Stunde an für immer nntergegangen.Gerade ein Jahrhundert, nachdem die Makkabäer über die Tyranneider Syrer obgesiegt hatten, brachten ihre Nachkommen die Tyranneider Römer über Judäa.
Was hatte nun Hyrkan von der Berufung ans den römischenSchiedsrichter? Pompejns nahm ihm den Königstitel, ließ ihm nurdie Hohepriesterwürde und den zweideutigen Titel Volksfürst(OUrnaroll^)und setzte ihn unter die Vormundschaft des Antipater, der zum Landes-verwcser ernannt wurde. Eine gewisse Macht mit einem Titel mußteihm Pompejns lassen, um ihn in den Stand zu setzen, die Erbitterungder Patrioten gegen die Unterjochung zu dämpfen. Denn bei derNachricht von Jerusalems Eroberung strömte vom Lande eine großeMenge herbei, um ihren Unwillen über die Vergewaltigung mit denWaffen zu betätigen. Diese Erbitterung sollte Hyrkan beschwichtigen ^).Die Mauern Jerusalems wurden niedergerissen und Judäa als be-siegtes Land betrachtet, wenn auch nicht förmlich als Provinz demrömischen Reiche einverleibt. Jerusalem und ganz Judäa mußtenwieder an eine fremde, feindliche Macht Tribut zahlen, von dem eskaum ein Jahrhundert befreit war.
Worin bestand dieser Tribut? Hatte der Sieger nach römischemBrauche Felder, Weinberge und Weideplätze als Staatseigentum er-klärt und den Eigentümern nur als Pächtern die Nutznießung gelassen,wofür sie einen Teil der Ernte als Pachtzins den Römern abliefernmußten? Oder sind die Ländereien der Besiegten, oder derer, welchegegen die Römer gekämpft, ihr Leben zur Verteidigung des Vater-
l) Josephus Altert. XIV, 4, 4.
-) Das. XX, 10. -) Das. XIV, 4, 4. Jüd. Kr. I, 7, 6.