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Geschichte der Juden.
die auch einen überlegeneren Geist als Aristobul zu falschen Schrittenhätte verleiten können. Der Unglückliche übergab zuletzt die starkenFestungen. Aber die Torheit bald wieder bereuend, zog er sich nachJerusalem zurück, um sich hier hinter den festen Mauern so lange zuverteidigen, bis er günstigere Bedingungen erlangen würde. Pompejusrückte ihm nach und, in Jericho angelangt, erreichte ihn die ihn ent-zückende Botschaft von dem Selbstmord des der römischen Macht sogefährlichen Mithridates. Dieser so leicht gewonnene Sieg über einender gefährlichsten Feinde Roms schwellte Pompejus' Brust mit nochgrößerer Selbstbefriedigung; er wollte nur noch das geringe Hindernis,den Widerstand von seiten Aristobuls, überwinden, um in Rom dieFrüchte seiner ohne große Mühe errungenen erstaunlichen Erfolge zugenießen. Für den Augenblick schien ihm der Sieg leicht werden zusollen, indem Aristobul, der Furcht nachgebend, sich reuig zu Pompejusbegeben, ihn mit Geschenken überhäuft und ihm versprochen hatte, auchJerusalem seiner Gewalt zu überliefern. Pompejus' Legat Gabiniuswar bereits mit Aristobul aufgebrochen, um Besitz von der Hauptstadtzu ergreifen und noch mehr Geld in Empfang zu nehmen. Aber diejudäischen Patrioten widersetzten sich diesem Ansinnen und verschlossenGabinius die Tore. Aristobul wurde hierauf in Gewahrsam gehalten >).
So hatte denn Jerusalem nach kaum drei Jahren wiederum eineBelagerung zu erdulden. Pompejus rückte mit seinem Heere heran,und die Stadt wurde ihm von den Hyrkanisten und den friedlich Ge-sinnten übergeben. Die Patrioten aber zogen sich auf den Tempelbergzurück, brachen die Brücke ab und verteidigten sich von da aus mit er-staunlicher Standhaftigkeit. Pompejus mußte sich wider Willen anseine förmliche Belagerung einlassen; denn der Tempelberg war vonder Nordseite her durch Felsen, Schluchten, künstliche Gräben und Türmegut verteidigt. Pompejus mußte von Tyrus Belagerungsmaschinenherbeiholen lassen, um die Mauern zu erschüttern, und aus entferntenWäldern Holz fällen lassen, um die Vertiefungen der Gräben auszu-füllen. So zog sich die Belagerung in die Länge und würde vielleichtnoch länger gedauert haben, wenn die Belagerten nicht wegen ängst-licher Beobachtung des Sabbats dem Feinde die Erstürmung erleichterthätten. In Folge einer, man weiß nicht, ob pharisäischen oder saddu-zäischen Auslegung des Gesetzes hielten es die Belagerten wohl fürerlaubt, am Sabbat Waffengewalt mit Waffengewalt abznwehren, abernicht Angriffe auf die Mauer zurückzuschlagen. Sobald die Römerdiese Bedenklichkeit erkannten, benutzten sie dieselbe zu ihrem Vorteile,
i) Josephus Altert. XIV, 3, 3—4; 4, 1.