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Geschichte der Juden.
nach dem Erstgeburtsrechte die Kraue. Aber er, den die schönstenTugenden eines bescheidenen Privatmannes zierten, wäre wohl ver-möge seiner Charakterschwäche, seiner Ratlosigkeit und der tiefgefühltenBedürftigkeit einer Stütze auch in ruhigen Zeiten nnr ein mittelmäßigerRegent gewesen. Stürmischen Zeiten war er nicht gewachsen undrichtete durch seine Gutmütigkeit mehr Verderben an als ein andererdurch tyrannische Übergriffe. Sein jüngerer Bruder Ar ist obul warder gerade Gegensatz von ihm, und die Vorsehung schien die beidenBrüder mit entgegengesetzten Eigenschaften ausgestattet zu haben, damitsie das Werk der Auflösung nm so rascher befördern sollten. Mitder Feigheit Hyrkans kontrastierte grell der ungestüme Mut Aristobuls,der ihn auch in der verzweifeltesten Lage aufrecht erhielt, aber ihnauch bis zur Tollkühnheit hinriß, eine Eigenschaft, worin er seinemVater Alexander nur zu ähnlich war. Damit verband er einen un-gemessenen Ehrgeiz, der ihn bis zum letzten Atemzuge nicht verließund ihn bis zur Verblendung gegen die Wirklichkeit anrennen ließ.War Hyrkan ein inniger Anhänger des Pharisäertums, so setzte sichAristobul über diese Schulstreitigkeiten hinweg und ließ sich wedervon der einen noch von der anderen Partei zu gewaltsamer Aufrecht-erhaltung ihres Prinzips bewegen. Sein Ziel war, mächtiger Herrschervon Judäa zu werden und mit den gegebenen Mitteln die Nachbar-länder iu Abhängigkeit zu bringen. Aber sein Ungestüm ließ ihn desZieles verfehlen, und anstatt der Lorbeeren häufte er Schmach aufsein eigenes Haupt wie auf das der Nation. Kaum hatte die KöniginSalome-Alexandra die Augen geschloffen und Hyrkan den Thron be-stiegen, als Aristobul mit den angeworbenen Hilfstruppen und densadduzäischen Anhängern auf die Hauptstadt losging, um seinen Bruderzu entthronen. Auf Hyrkans Seite standen die Pharisäer, das Volkund die Soldtruppen, welche die verstorbene Königin unterhalten hatte.Zu größerer Sicherheit hatten die Hyrkanisteu Aristobuls Frau undKinder als Geiseln in die Burg Baris, nordwestlich vom Tempel,in Haft gebracht^). In Jericho trafen die feindlichen Brüder mitihren Heeren zusammen. Hyrkan verlor die Schlacht und entfloh nachJerusalem in die Burg Baris, weil der größte Teil der Mietstruppenzu Aristobul übergegangen war. Dieser belagerte auch den Tempel,wohin sich viele seiner Gegner geflüchtet hatten, und eroberte ihn.Als er nun Herr des Heiligtums und der Hauptstadt geworden war,mußte der Besiegte sich ergeben. Es fand indes eine Vermittelungund Aussöhnung statt, und im Tempel beschworen die Brüder das
Josephus jüd. Krieg I, 5, 4.