Die Tempelspenden und der Tempelschatz. 143
wurden dafür angesetzt, für Judäa im Beginn des Frühjahres. Amersten Adar machten Herolde im ganzen Lande bekannt, daß die Ein-sammlnng der Tempelspende herannahe, und am fünfzehnten desselbenMonats nahm sie ihren Anfang; sie dauerte zehn Tage; wer bis da-hin den Beitrag nicht abgeliefert, der konnte ihn nur dem Schatz-meister des Tempels überliefern '). Dann kamen die Spenden vomAuslande: aus den transjordanischen Ländern, Ägypten, Syrien, dieerst gegen das Wochenfest einliefen, und aus den noch entfernterenLändern: Babylonien, Medien, Kleinasien noch viel später, gegen dasHüttenfest"). Die letzten Sammlungen fielen wegen des Reichtumsund der Freigebigkeit der ausländischen Judäer am reichsten aus;statt der silbernen oder kupfernen Sekel und Denare spendeten dieAusländer Goldstatern und Dariken^) (15 Markstücke). In jedemLande, wo Judäer stark vertreten waren, wählten sie Mittelpunkte,wo sie die gesammelten Beiträge uiederlegten, bis dieselben nach Jerusalemgebracht wurden. Die angesehensten Männer wurden dazu gewählt,die Spenden an den Temvel abzuliefern, und sie führten den Namen„heilige Gesandte" (llooncchnm Ü. In Mesopotamien und Baby-lonien waren in den zwei größtenteils von Judäern bevölkerten StädtenNisibis und Nahardea (Ruurctu) am Euphrat Schatzkammern fürdie Tempelspenden, von wo aus sie unter starker Bedeckung, wegen derräuberischen Parther und Nabatäer, nach Jerusalem geführt wurden").Die kleiuasiatischeu Gemeinden hatten ebenfalls ihre Sammelplätze:Apamea und Laodicea in Phrygien, Pergamus und Adramyttium inder Landschaft Aeolis. Aus diesem Landstriche gingen etwa zwanzigJahre nach der getroffenen Verfügung nahe an zweihundert PfundGold (165 000 einO). Man kann daraus schließen, welche er-staunliche Einnahmen für den Tempel einliefen, und man begreift, wiedie drei Sammlungen so viel brachten, daß man von jeder drei großeKörbe (lLuppu), drei Saah (ungefähr 13 Liter) enthaltend, füllen konnteund doch noch einen Überschuß hattet- Der Tempel zu Jerusalemgalt daher als der reichste ^) und war oft Gegenstand des Neides undder Raubgier. Das in den jedesmaligen drei gefüllten Körben vor-
*) Das. I, 3. ") Das. Talmud 6 b. °) Dosstla Lcbsbalim o. 2.
y Philo cts virtutibus A 31, N. II, 578, vgl. cts blouarebia das.
b) Josephus Altert. XVIII, 9, I. °) Oiosro pro §Iaoeo 28.
') Lebslcalim 6 a.
ch Josephus Altert. XIV, 7, 2. Vergl. darüber Schwarz Berechnung,Fraukel-Graetz Monatsschr., Jahrg. 1875, S. 361, daß selbst nur bei 2 »09 990Beitragssähigen, und die Ausgaben zu der Einnahme wie I : 19 berechnet, jähr-lich ein Überschuß von 23 Zentner Silber geblieben sein müsse.