Druckschrift 
3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
Entstehung
Seite
141
Einzelbild herunterladen
 

Die Feier des Wasserschöpfens.

141

welche eine» Mund haben und nicht sprechen, Augen und nicht sehen,Ohren und nicht hören. Er schließt mit den Worten:

Haus Israel, preiset den Herrn,

Haus Ahron, preiset den Herrn,

Haus Levi, pi eiset den Herrn,

Ihr Gottesfürchtige», preiset den Herrn,

Gepriesen sei der Herr von Zion aus, der in Jerusalem weilet."

Die Gemeinde wiederholte dann bei jedem Absätze den Vers:

Lobsinget dem Herrn, denn er ist gütig,

Lobsinget seinem Namen, denn er ist lieblich."

In dem zweiten Psalm redet der Vorbeter die Gemeinde an:

Halleluja! Danket dem Herrn, denn er ist gütig,

Denn ewig währet seine Huld."

Er erinnert ebenfalls an Gottes Allmacht und Wundertaten fürIsrael und schloß:

Wenn er uns erniedrigt, dachte er doch unser,

Erlöste uns von unfern Feinden,

Er gibt Brot aller Kreatur.

Danket dem Gott des Himmels!"

Das Volk fiel bei jedem Verse ein:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig, denn ewig währet seine Huld!"

Mit Tagesanbruch gaben die Priester mit den Posaunen dasZeichen zum Beginne des Wasserschöpfens. Bei jedem Haltpunkt er-tönte Posaunenschall, bis das ganze Volk an dem Quell Siloah an-gelangt war, woraus das Wasser für das Gußopfer in einer goldenenSchale geschöpft wurde. In feierlichen Schritten brachte man dasGefäß mit dem Wasser bis zum Wassertore im Westen der innerenTempelmaner, wo wiederum die Posaunen erschallten. Aus einemsilbernen Gefäße wurde das Wasser ans den Altar gegossen, wobei dieFlöte, welche nur bei außerordentlich freudigen Anlässen ertönte, ihreschmelzende Weise mit den andern Instrumenten vermischte.

Ein ähnliches Volksfest fand an dem zum Halbfeiertage erhobenenHolzfeste , dem fünfzehnten Ab (August), statt, welches

die jungen Mädchen besonders durch Gesang und Tanz zu begehenpflegten. Auf einem freien Platz in den Weinbergen fand sich eineSchar junger Mädchen ein; alle in weiß gekleidet, führten sie ihrenTanzreigen auf und sangen dabei strophische Lieder in der heiligenSprache. Die anwesenden männlichen Zuschauer suchten sich oft beidieser Gelegenheit ihre Lebensgefährtinnen aus. Sicherlich war dieses