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- Geschichte der Juden.
alles, was eine Politische Partei ausmacht; sie wollten sich von derreligiösen Norm in öffentlichen Angelegenheiten möglichst frei halten, undnur vermöge des religiösen Charakters der judäiscken Nation nahmenauch sie eine religiöse Färbung an. Die Pharisäer waren eigentlichnur ihre Politischen Gegner, aber ans einem religiösen Prinzip, undans sie paßt der Name Sekte um so weniger, als sie den Kern derNation ansmachten. Höchstens könnte man die Essäer eine religiöseSekte nennen, weil sie sich von öffentlicher Tätigkeit ganz fern hielten;aber die Essäer verdienen diese Benennung wiederum nicht ganz, weilsie von den Pharisäern ursprünglich nicht unterschieden waren und, wiegesagt, nur eine Übertreibung des Pharisäertums bildeten, weil beidealso von gleichen Überzeugungen getragen waren. Die Pharisäer warenauch keineswegs die Vermittler zwischen zwei extremen Richtungen.Sie müssen vielmehr als Grundstock der Nation angesehen werden,von welchem sich die Sadduzäer einerseits durch Überordnung derweltlichen Interessen über die religiösen und die Essäer andererseitsdurch schwärmerische Lebensweise absonderten. Wie wenig die Sadduzäerund Essäer als Träger der nationalen Richtung angesehen werdenkönnen, beweist der Umstand, daß weder die einen, noch die andereneine selbständige Literatur aus sich zu erzeugen vermochten. Dieliterarischen Erzeugnisse der Folgezeit tragen einen durchweg pharisäischenCharakter. Auf die Sadduzäer hingegen ist mit Gewißheit kein Schrift-denkmal zurückzuführen, weil ihr Streben eben nur auf Weltlichkeitgerichtet war, und von den Essäern wird nur ein einziges literarischesProdukt namhaft gemacht, eine „assidäische Rolle" (NsAillatdbasmänn), ans welcher sich nur ein einziger Spruch erhalten hat,der da lautet: „Verläßt du sie (die Lehre) auch nur einen Tag, so
verläßt sie dich zwei Tage."
Das schroffe Verhältnis zwischen Pharisäern und Sadduzäernbestand zu Hyrkans Zeit noch nicht. Ihre entgegengesetzten Ansichtenüber gewisse Fragen hatten noch keine Reibung erzeugt; die zwischenbeiden herrschende Spannung war noch nicht in Feindseligkeiten über-gegangen. Hyrkan gebrauchte beide nach ihren Fähigkeiten für seineRegierung: die Sadduzäer als Krieger und Diplomaten für äußereAngelegenheiten, die Pharisäer als Gesetzeslehrer, Richter und Beamtefür innere Angelegenheiten. Die einen ehrten in Hyrkan das Staats-oberhaupt und den Feldherrn, die anderen den frommen Hohenpriester,der sich der religiösen Norm befliß. Hyrkan ließ sich in der Tat an-gelegen sein, wie er persönlich sich streng an die pharisäische Auslegunghielt r), so auch die innere Einrichtung des Staates auf religiöse, d. h.
r) Josephus Altert. XIII, 10, 5.