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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Essäer und Pharisäer.

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hineingerissen wurden, und je mehr diese sich in das enge Gehäuseeines abgeschiedenen Ordenslebens eingesponnen hatten. Es war eineArt Vorgefühl daß sie, später ans einen weiteren Schauplatz versetzt,erbitterte Feinde werden würden. Die Essäer mieden sogar denTempel, vermutlich weil der Tempelritus, nach der pharisäischen Lehreeingerichtet, ihrem Ideale nicht zu entsprechen schien. Mit der Pflichtzu opfern, fanden sie sich auf eine bequeme Weise ab, indem sie dieOpfer in den Tempel sandten, ohne bei der Handlung gegenwärtig zusein. Das Nationalgefühl trat bei den Essäern immer mehr vor derAnhänglichkeit an ihren Orden zurück, und sie lösten sich nach undnach von den starken Banden der Volkstümlichkeit ab. Das Essäertumbarg in seinem Schoße eine Opposition gegen das bestehende Judentum,von welcher Anhänger und Gegner keine Ahnung hatten.

Die Essäer hatten durchaus keinen Einfluß auf die PolitischeBewegung, von welcher sie sich möglichst fern hielten. Nur ein einzigerEssäer, soviel bekannt ist, war Mitglied des hohen Rates. Aber alsfühlte er sich in dieser Atmosphäre unheimisch, schied er aus. IhreZahl war gering, und selbst zur Zeit seiner Blüte zählte der Ordennicht mehr als etwa viertausend Mitglieder. Da sie vermöge ihrerEhelosigkeit auf eine natürliche Ergänzung der abgehendeu Mitgliederverzichten mußten, so waren sie darauf bedacht, um nicht allmählichganz zu verschwinden, Novizen anzuwerben und Proselyten zu machen.Die Eintretenden nahmen sie mit einer Art zeremoniöser Feierlichkeitauf. Man reichte ihnen das Weiße Kleid, das Schurzfell und dieSchaufel, die Symbole des Essäertums. Der Novize trat aber nichtsogleich in die Gemeinschaft der Ordensglieder ein, sondern wurdeallmählich einer immer strengeren Enthaltsamkeit und immer schwererenBeobachtung der Reinheitsgesetze unterworfen. Drei Grade, eine ArtProbe, waren durchzumachen, ehe ein neues Mitglied zu der vollenTeilnahme am Orden zugelassen wurde. Bei der Aufnahme wurdeder Eintretende beschworen, die essäische Lebensweise zu beobachten,die geheimen Lehren, namentlich die, welche sich auf den geheimnisvollenGottesnamen, die Engellehre (und Wohl auch die Beschwörung derDämonen) bezogen, gewissenhaft zu bewahren und treu zu überliefern.Der unwürdig Befundene sollte ansgestoßen werden; doch findet sichkein Beispiel eines solchen Falles.

Es kann, weil die falsche Auffassung zu weitverbreiteten Jrrtümerngeführt hat, nicht genug wiederholt werden, daß, sowie die Benennungder drei Sekten ihrem wahren Begriff nicht ganz entspricht, ebenso dieBezeichnungSekte" für alle drei ganz unpassend ist. Die Sadduzäerhatten gar nichts von einer aufs Religiöse gerichteten Sekte, vielmehr

Grcretz, Geschichte der Juden. III. 7