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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Geschichte der Juden.

heiligen Schrift (Osobisoba, ^o^x-^iöch, teils in Anwendung gewisserWurzeln und Steine von vermeintlich magischer Geheimkraft und wohlauch in Berührungen durch magnetischen Rapport. So hatten dieEssäer das Höchste mit dem Niedrigsten, das Streben nach einemfrommen Wandel und heiliger Begeisterung mit dem vulgärsten Aber-glauben in sich vereinigt. Die überstrenge Enthaltsamkeit und die Fluchtvor Berührung mit Personen von einer anderen Lebensweise habenbei ihnen krasse Auswüchse erzeugt.

Wegen dieser Auswüchse zollten nüchtern denkende Pharisäer denEssäern keine so große Verehrung. Sie machten sich im Gegenteilöfter über dennärrischen Chaßid" lustig. Gegen die Scheu derEssäer, den Gottesnamen ohne vorangegangeue Waschung und Reinigungauszusprechen, bemerkten die Pharisäer, daß sie folgerichtig der AnrufungGottes sich ganz enthalten müßten, da es doch ohne den Körper nichtgeschehen könne und dieser ein Gefäß voller Unreinheit sei. Mit denessäischen Wunderkuren, namentlich mit ihrer Anwendung von heiligenVersen für Beschwörungen und Geistesaustreibungen waren manchePharisäer vollends unzufrieden. Obwohl einer gemeinsamen Wurzelentsprossen und dasselbe Ziel verfolgend, gingen Pharisäertum undEssäertum, je mehr beide sich entwickelten, in verschiedenen Richtungenauseinander. Jenes stand mitten in der Wechselfülle des Lebens undsuchte es durch Sittlichkeit und Gesetz zu heben und überhaupt praktischeZwecke zu verfolge»; dieses floh das Leben mit seinen Freuden undSchmerzen und vertiefte sich immer mehr in jene brütende Beschaulichkeit,welche die Tugend selbst abstoßend und die Hingebung zu einer anderenArt Egoismus macht. Jenes erblickte in der Ehe eine heilige, imDienste der Menschheit stehende Institution; dieses betrachtete sie alsHemmnis der folgerichtig durchzuführenden religiösen Lebensweise. DiePharisäer erkannten dem Menschen die Freiheit des Willens undTuns zu, vermöge welcher er für sein sittliches Verhalten verantwortlichist. Die Essäer dagegen, in den engen Kreis von täglich in derselbenForm sich wiederholender Tätigkeit gebannt, unberührt von den Stößenund Gegenstößen der Wirklichkeit, gerieten auf eine Art von göttlichemFatalismus, welcher nicht bloß das Geschick der Menschen, sondern auchihr Tun und Lassen beherrsche. Höchst wahrscheinlich differierten diePharisäer von der essäischen Lehre auch in den Punkten der Unsterb-lichkeit der Seele, der ausgleichenden Gerechtigkeit jenseits des Grabesund noch in anderen Stücken, obwohl sich dieses aus den Quellen nichtzu völliger Klarheit belegen läßt. Es scheint also eine kleine Spannungzwischen Pharisäern und Essäern bestanden zu haben, die im Verlaufeimmer mehr zuuahm, je mehr jene in den Strudel des politischen Lebens