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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Die Essäer.

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Himmelsecho wieder zu wecken. Und dann, wenn dieses Ziel erreicht,wenn die Prophezeiung wieder ansgebrochen ist, wenn Männer undJünglinge wieder himmlische Gesichte zu schauen, wieder in Verzückungden Schleier der Zukunft zu lüften vermögen, dann ist das großemessianische Reich nahgerückt, das Himmelreich (Naioinw Koimmnjim)tritt seine Herrschaft an und macht mit einem Schlage der Mühe undQnal der Gegenwart ein Ende. Es kann kein Zweifel obwalten, daßdiese Jdeenverbindung im Essäertnme lag, freilich dem einen mehr,dem andern weniger bewußt. Eines der letzten Glieder des Essäer-ordens führt diese Gedankenreihe in kurzen, aber leicht verständlichenund unzweideutigen Worten aus:Von Stufe zu Stufe führen Gesetzes-eifcr, körperliche Reinheit, Enthaltsamkeit zur essäischen Lebensweise(Oimssiäut,), und diese führt zu Demut und Sündenscheu, diese wiederumzur Empfänglichkeit für den heiligen Geist, und diese endlich zurAuferstehung, welche durch Elia, den Vorläufer des Messias, herbei-gesührt wird."

Wegen ihrer eigentümlichen Lebensweise und schwärmerischenRichtung wurden die Essäer vom Volke nicht bloß als Heilige, sondernauch als Wundertäter bewundert und angestannt. Das Volk lauschteauf ihre Stimme und erwartete von ihnen die Abwendung drückenderÜbel. Einige unter den Essäern standen im Rufe, daß sie die Zukunstzu enthüllen und Träume zu deuten vermöchten. Gehoben war die

scheue Verehrung der Essäer in den Augen der Unwissenden wegen

deren Beschäftigung mit Wunderkuren an sogenannten Besessenen. DieBerührung mit den Persern hatte nämlich, wie den Glauben an dasDasein der Engel, so auch den Aberglauben an schädliche Dämonen(Lodsckim, Nasmkili^) in der Anschauung der Judäer feste Wurzelschlagen lassen. Ein Geisteszerrütteter galt als ein vom bösen GeistBesessener, dessen Seele und Körper der Dämon ganz und gar be-herrsche, der nur auf das Zauberwort Kundiger zum Verlassen des

Besessenen gebracht werden könne. Jede außergewöhnliche Krankheits-form, wie hartnäckige Lähmung, Aussatz, anhaltenden weiblichen Blut-fluß schrieb man der dämonischen Wirkung zu und suchte nicht denRat des Arztes, sondern die Wunderkur des Beschwörers. Mit solchenKuren, Beschwörungen, Geistesaustreibungeu befaßten sich die Essäerund forschten nach Heilmitteln in einem Buche (8sksr Ilaluot,), dasdein König Salonion, der als Banner böser Geister in der Volks-meinung galt, zugeschriebeu wurde. Diese Heilmittel bestanden teilsin gewissen leise gesprochenen Beschwörungsformeln und Versen ans der

Vergl. Bd Ilb, S. 201; 417.