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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Geschichte der Juden.

Engellehre, eben weil die Engel hebräische Namen: Gabriel, Michael,Raphael, Uriel und andere erhalten hatten Z, später im Judentnmebereits so sehr eingebürgert, daß sie als wesentlicher Bestandteil des-selben gelten konnte. Die Namen der Engel, sowie deren Bedeutungund Stellung in ihrem theosophischen Systeme überlieferten die Essäertreulich ihren Jüngern. Welch einen reichen Stoff der Betrachtungbot die mystische Auffassung der Gottesnamen und der Engellehre füreine müßige, auf das Schwärmerische und Geheimnisvolle gerichtetePhantasie! Wenn sie mit neugefundenen phantastischen Ideen an dasVerständnis der heiligen Schrift gingen, welche neuen Gesichtspunkteund Seiten mußten sich nicht ihrem getrübten Blicke erschließen! JedesWort, jede Wendung mußte einen bisher nicht geahnten Sinn offen-baren; die schwierigsten Fragen über das Wesen Gottes und seinVerhältnis zu den himmlischen Mächten und niederen Kreaturen konntenin ihren Angen die Lösung finden. Die Vertiefung in den heiligenText spiegelte den Essäern die optische Täuschung vor, daß die Gedanken-reihe von Urzeiten her in die heilige Schrift niedergelegt sei, die siedoch eigentlich erst hineintrugen. Ohne Zweifel waren die Essäer dieErfinder derGeheimnisse der Lehre" (Litrs Nllora), wie sie auch dieUrahnen der jndäischen Mystik und der christlichen Gnosis waren.Durch ihren dem Staate wie dem Alltagsleben abgewandten Sinnführten sie das auf Betätigung der Nationalwohlfahrt beruhendeJudentum in die Dunkelheit und Überschwenglichkeit einer Geheimlehreein. Befremdlich war an ihnen ihre hohe, schanervolle Verehrung fürden Propheten und Gesetzgeber Mose. Sein Andenken und sein Namewar allen Judäern in und außerhalb Palästinas teuer, und er wurdevon allen für den größten der Propheten gehalten. Man schwur beidem Namen Mose und legte ihn keinem anderen Menschen bei. Aberdie Essäer trieben diese Verehrung ans die Spitze, gewissermaßen wiefür ein göttliches Wesen. Wer den Namen Moses lästerte, galt inihren Augen für ebenso todeswürdig wie ein Gotteslästerer. Sie scheinenauch damit eine mystische Vorstellung verbunden zu haben.

Das letzte Ziel der Essäer war ohne Zweifel das Streben nachprophetischer Verzückung, um des heiligen Geistes (I4uaall lla-I^oässoll)gewürdigt zu werden. Die Prophetenstimmen waren seit langer, langerZeit verklungen, die Nation tastete, unbelehrt von der Gottesmännermahnendem oder warnenden: Worte, im Dunkeln über das, was zutun oder zu lassen sei. Die Essäer glaubten nun, durch die strengeLebensweise das Mittel gefunden zu haben, das seit lange verstummte

y Vergl. Bd. II b, S. 2VÜ; 415.