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3. Geschichte der Judäer von dem Tode Juda Makkabis bis zum Untergange des judäischen Staates 1 (1905)
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Die Pharisäer.

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diese zur ewigen Schmach." Wann diese Ausgleichung aller Miß-verhältnisse eintretcn sollte, und in welchen Zusammenhang sie mit demerwarteten Messiaskönig gesetzt wurde, darüber herrschte Unklarheit.

Diese Ansichten bildeten aber, eben weil sie nur die innere Über-zeugung betrafen, keinen so einschneidenden Gegensatz wie die dritteLehre der Pharisäer von dem Umfange und der Giltigkeit desReligiösen. In einer Nation, deren Lebenshauch die Religion war,die jede Lebenstätigkeit in deren Bereich zog, bildeten sich neben demgeschriebenen Gesetze auch Sitten und Bräuche aus, deren Ursprungsich in graues Dunkel verliert. Fand man die religiöse Sitte nichtin dem Buchstaben des Religionsgesetzes deutlich angegeben, so führteman sie auf die großen Lehrer (Kopbsrim) und die große Versammlung(Knssst ba-Zsäola) zurück, welche zur Zeit der Rückkehr aus dem Exileder geschwächten Religion Bestand und Halt gegeben, und an derenSpitze der große Schriftkundige Esra gestanden habe. Man nanntesolche religiösen Sitten und BräucheVermächtnisse der Schriftkundigen"(Oibrs Kopbsriin) und dachte sich dieselben entweder aus der Urzeitüberliefert oder von der großen Versammlung eingeführt. Alle dieseungeschriebenen Bräuche, welche in der Nation lebten und mit ihr auf-wuchsen, hatten erst durch die Gefahren und Siege eine außerordentlicheWichtigkeit erlangt, weil das Volk dafür Güter und Leben eingesetzthatte. Die Verhöhnung des Judentums von seiten der Griechlingeund die plumpen Angriffe darauf von seiten der Syrer hatten dasJudentum seinen Anhängern um so teurer gemacht und ihnen auchdasjenige als hochheilig erscheinen lassen, was früher nur als derAusdruck einer höheren Frömmigkeit gegolten haben mochte. DasMärtyrertum und die Opposition gegen die leichtsinnigen abgefallenenGriechentümler hatten bei den Trengebliebenen die Anhänglichkeit anjede Sitte und jeden Brauch unendlich gesteigert. Namentlich warder Tempel, der so schonungslos entweiht und so wunderbar wiedergeweiht worden war, der Augapfel des Volkes geworden, von dem esjeden Hauch von Entweihung und Verunreinigung fern gehalten wissenwollte. Galt das Heiligtum als die Offenbarungsstätte Gottes, alsder sichtbare Träger alles Heiligen, so mußte es nach dieser Ansichtnur mit äußerster, peinlichster Aufmerksamkeit behandelt werden. DieBestimmungen levitischer Reinheit, soweit sie den Tempel betrafen,wurden daher von den Pharisäern mit noch verschärfterer Sorgfaltund noch größerer Strenge beobachtet.

Doch schloß die äußerliche Frömmigkeit die innere keineswegs ans.Die Pharisäer oder ihre Häupter galten als streng-sittlich, keusch, mäßigim Genüsse, milde und wohlwollend gegen jedermann. Gleichgültig