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Geschichte der Juden.
war, das Volk hingegen, wie immer, die Parteistichwörter blindlingshinnahm. Ihren Namen hat die pharisäische Partei vielleicht vonihren sadduzäischen Gegnern erhalten, von dem Umstande, daß sie dasSchriftwort eigentümlich auslegte und aus dieser Auslegungsart neueGesetze folgerte. Als Gesetzeskundige bildeten die Pharisäer denGelehrtenstand gegenüber den Unwissenden und den Richterstand. —Der leitende Grundsatz ihrer Gesinnungen und Handlungen war, daßdie Erhaltung des Judentums, d. h. Gesetz und Sitte der Väter, dieeinzige Richtschnur für den Staat wie für den einzelnen sein müsse.War doch nur dafür das edle Blut auf den Schlachtfeldern und unterdem Henkerbeil verspritzt worden. Jede Abweichung von diesem Grund-sätze schien den Pharisäern eine Schändung des Heiligen, ein Verratan dem Teuersten. Machten ihre sadduzäischen Gegner dagegen geltend,daß für politische Verhältnisse ein anderer Maßstab gelten müsse, dasonst wichtige Staatsinteressen an religiösen Bedenklichkeiten scheiternmüßten, so antwortete das Pharisäertum! das Geschick des Staateswie des einzelnen hänge nicht von der menschlichen Tätigkeit, sonderneinzig und allein von der göttlichen Wallung ab, wie ja das jüngstErlebte in den Makkabäerkämpfen augenscheinlich bewiesen habe, indemzahlreiche Heere durch ein winziges Häuflein, erfahrene Krieger durchwaffenscheue Schwächlinge, Gottlose durch Fromme zum Falle gebrachtworden sind. Nicht Menschenkraft, nicht Menschenklngheit, nicht Kriegs-macht vermögen das Wohl und Wehe des jndäischen Volkes zu be-stimmen, sondern die göttliche Vorsehung allein. Alles geschehe nachdem ewigen Ratschlüsse des göttlichen Willens; nur das Tun deseinzelnen, sein sittliches Verhalten falle der menschlichen Willensfreiheitanheim, der Ausgang der menschlichen Tätigkeit und der Erfolg lägenkeineswegs im Bereiche menschlicher Berechnung. Von dieser pharisäischenLebensansicht wich die gegnerische Ansicht der Sadduzäer ab. und dieder Essäer ging übertreibend darüber hinaus. — Eine andere pharisäischeAnsicht war wahrscheinlich ebenfalls gegen einen Einwnrf der Sadduzäergerichtet. Wenn das Geschick des einzelnen oder des Volkes nichtvon seinem Verhalten abhänge, so wäre ja die göttliche Gerechtigkeitaufgehoben, indem der Gerechte und Fromme oft genug mit Mißgeschickzu kämpfen habe, während dem Ungerechten und Sünder die Sonneheiteren Glückes stets zulächle. Diesen Einwurf beseitigten die Pharisäerdurch den anderweitig entlehnten Lehrsatz, daß die göttliche Gerechtigkeitsich nicht im Leben, sondern erst nach deni Tode bewähre. Gottwerde die Toten einst ans ihrem Grabesschlummcr erwecken, um dieGerechten nach ihrem Wandel zu belohnen, die Gottlosen nach ihremTun zu bestrafen, „jene werden auferstehen zum ewigen Leben und