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Geschichte der Juden.
sind, arbeiteten die großen Begebenheiten seit dem Beginne der Unab-hängigkeitskriege nach dem Muster der biblischen Geschichtsbücher aus,nicht in trockenem Chronikstik, wenn auch mit zuverlässiger Angabevon Zeit und Ort, sondern in fließender Erzählung und lebendigerAnschaulichkeit. Hyrkans Regierung wurde, wenn auch nicht bei seinemLeben, so doch nicht lange später geschichtsmäßig ausgezeichnet unterdem Titel: „Jahrbücher" (Oibrs ba-llamiin), die aber bis auf eingeringes Bruchstück^) verloren gegangen sind. Dies sind übrigens dieeinzigen Reste der hebräischen Literatur ans diesem Zeitabschnitte.
Mehr noch als in Sitte und Literatur zeigte sich die durch diepolitischen Vorgänge veränderte Zeitstimmung im Kreise des Religiösenselbst. Allerdings konnte alles, was seit Jonathan erkämpft underrungen worden war, als im Interesse der Religion ansgeführt an-gesehen werden. Die Siege über die Syrer, die Vertreibung derHellenisten, die Unterwerfung der Jdumäer, die Demütigung derSamaritaner und namentlich die Zerstörung des Garizim-Tempelsgalten als eben so viele Triumphe des Judentums über seine Gegner,wurden von den Vertretern der Religion sanktioniert und durch religiöseFeiern dem Gedächtnis der kommenden Geschlechter eingeprägt gleichden Tagen der Tempelweihe. Das Religiöse blieb immer noch derGrundzug aller Bewegungen und zeigte sich selbst in dem Mißbrauche,das Judentum den Heiden aufznzwingen. Indessen klärte sich dasreligiöse Bewußtsein durch den freieren Umblick in der wirklichen Welt;die erworbene Einsicht in die Lebensverhältnisse, das Heranstretenaus dem engen Kreise des Überkommenen und Überlieferten erzeugteScheidung und Trennung. Die streng religiöse Partei der Assidäerhatte sich vom Schauplatze der Begebenheiten zurückgezogen nnd sich,um mit dem Weltleben in gar keine Berührung zu kommen, in dieAbgeschiedenheit vereinsamter Gegenden begeben, wo sie ihrer Beschau-lichkeit ungestört nachhängen konnte. Sie bildete sich in dieser Einsamkeitzu einem eigenen Orden mit abweichenden Sitten und Anschauungenaus und erhielt den Namen Essäer^). Allein nicht sämtliche Frommefolgten diesem Beispiele, ihre Tätigkeit dem Allgemeinen zu entziehen.Die meisten hielten es vielmehr für ihre Pflicht, auch bei strengerBeobachtung der religiösen Vorschriften ihre Kräfte für die nationaleSache zu verwenden. Dadurch entstand innerhalb der Frommen eineScheidung: eine national-religiöse Partei trennte sich von der assidäischenoder essäischen insofern, als sie es nicht scheute, inmitten der Strömung
1) I. Makkab. 16, 23-2-1 S. Note 11.
2) Über Bildung, Haltung und Bedeutung der drei Parteien vgl. Note 12.