Religionsgespräch der Judäer und Samaritaner. 45
nmbringen zu lassen — eine gewiß unwahre Wendung — und alsAndronikos ans die lange Reihe der Hohenpriester hingewiesen habe,die von Ahron bis ans die Gegenwart herab ununterbrochen imjerusalemischen Tempel fungiert haben, und ferner die Tatsache ange-führt habe, daß die Könige von Asien denselben Tempel durch Weihe-geschenke bereichert hätten, Vorzüge, deren sich der Tempel ans Garizimnicht rühmen konnte, seien die Samaritaner öffentlich für überwundenerklärt und der Verabredung gemäß getötet worden Z. Die sama-ritanischen Berichte, welche viel jünger und trüber sind, schreiben ihrerPartei den Sieg zu durch die Beweisführung, daß der GesetzgeberMose Wohl nicht einen so wichtigen Punkt, wie die Stätte für dieGottesverehrung (Kiblah) unbestimmt gelassen haben könne, vielmehrsei anzunehmen, er habe in dem Schlußsegen vor seinem Tode einenBerg im Stamme Joseph als Berg des Segens bezeichnet, nämlichden Garizim. Die Nachrichten der übrigen jndäischen Schriften bewiesennichts dagegen, da ihnen keine Heiligkeit innewohne, und deren VerfasserVon ihnen, den Samaritanern, nicht als Propheten angesehen werden.Durch diese Beweise sei der König von der Heiligkeit des samaritanischenTempels überzeugt worden und habe auf den Wunsch der Samaritanerbefohlen, daß die Judäer bei Todesstrafe den Berg des Segens(Garizim) nicht betreten dürften 2 ).
Diese Streitfrage über die Heiligkeit Jerusalems oder Sichemswurde, wie es scheint, von beiden Parteien in griechischen Versen fort-geführt. Ein samaritanischer Dichter Theodotos, vielleicht derselbeTheodosios, welcher als Anwalt ausgetreten war, rühmte die Frucht-barkeit der Gegend von Sichem.
„Zwischen zwei hohen gras- und waldreichen Höhen„Erscheint das hehre Sichem,
„Die heilige Stadt, unten am Fuße erbaut,
„Mit Maliern von glattem Gestein umgeben."
Um die Wichtigkeit dieser Stadt hervorzuheben, erzählte Theodotosdie Geschichte Jakobs, wie er sich bei Sichem niedergelassen, wie dessenTochter Dinah von dem jungen Fürsten Sichem geschändet und vonderen Brüdern Simon und Levi gerächt worden war^). Ohne Zweifelwaren auch in Theodotos' Gedicht die Erbauung des Tempels ansGarizim und die Heiligkeit desselben geschildert.
Vergl, Note S. ^ Mts 3.
") Die Fragmente des Theodotus bei Eusebius Uraexaratio svanZ-slioa IX.e. 22. Daß sie von einem Samaritaner stammen, dafür spricht die Bezeichnung
L>n>w>,, lkgöv uarv, die heilige Stadt. Nach dieser Schilderung warSichem damals noch mit Mauern umgeben. Sie muß demnach der Zeit an-gehören, ehe Hyrkan I. Sichem zerstört hat.