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Geschichte der Juden.
Die gegenseitige Abneigung zwischen den Anhängern Jerusalemsund Garizims folgte beiden auch ins Ausland nach, und sie befehdetensich gegenseitig mit demjenigen Eifer, welchen Religionsgenossen in derFremde für ihre heimischen Traditionen zu haben Pflegen. Die Über-setzung der Thora ins Griechische, vom König Philometor begünstigt,scheint neuen Zündstoff zwischen beide geworfen zu haben. Wie sehrmußte es die Samaritaner kränken, daß durch die Septuaginta dieHeiligkeit ihres Tempels an Beweiskraft eingebüßt hatte, indem imGriechischen der von ihnen geltend gemachte Vers „und du sollst einenAltar bauen auf Garizim", nicht vorhanden war. Die Samaritanerin Alexandrien scheinen daher einen Protest gegen diese Übersetzungoder vielmehr gegen diese angebliche Fälschung des Textes beabsichtigtzu haben, und da von ihnen wohl auch einige bei Hofe in Gunststanden, wußten sie es dahin zu bringen, daß der milde Philometorein Religionsgespräch zwischen beiden streitenden Religionsparteien ver-anstalten ließ, wodurch die Frage über die höhere Heiligkeit des sama-ritanischen oder jerusalemischen Tempels erledigt werden sollte*) —das erste Religionsgespräch dieser Art vor einem weltlichen Herrscher,das sich von den im Verlaufe der judäischen Geschichte vorgekommenenöfteren Fällen dadurch unterscheidet, daß der Schiedsrichter sich ganzunparteiisch zu der Frage verhielt und also den Streitenden die volleFreiheit vergönnte, ihre Gründe ohne Rückhalt und Rücksicht geltendzu machen.
Die beiden Parteien wählten ans ihrer Mitte die gelehrtestenMänner zu ihren Sprechern, deren Namen ans uns gekommen sind.Auf Seiten der Jndäer sprach ein gewisser Andronikos, SohnMessalams. Die Samaritaner hatten zwei Vertreter, Sabbai undTheodosios, zwei in der samaritanischen Geschichte nicht unbekannteNamen; sie galten bei ihnen als angesehene Weise, und Theodosios,dessen Name in Dositai, Dostai und Do st an 2) umgewandeltwurde, galt als Gründer einer samaritanischen Sekte, deren Ansichtendem Jndentnmc näher standen. Auf welche Weise das Rcligions-gespräch geführt wurde, und welchen Ausgang es hatte, läßt sich kaummehr ermitteln, da die Berichte darüber einen durchweg sagenhaftenCharakter angenommen haben. Jede Partei suchte sich den Sieg zn-znschreiben, und beide haben ihre Erfolge übertrieben. Religionsgesprächehaben noch nie einen wesentlichen Erfolg erzielt. Die judäischenQuellen stellen die Sache so dar, als wenn die Bedingung gewesenwäre, der König sollte das Recht und die Pflicht haben, die Besiegten
st Vergl. Note 5. st Vergl. dieselbe Note.