Die Septuaginta.
37
diese Übersetzung zustande gebracht wurde, wissen wir nicht mehr.Allem Anschein nach wurde diese Arbeit, um sie zu erleichtern, an fünfDolmetscher verteilt, sodaß von den fünf Büchern des Pentateuchs jeeins einen eigenen Übersetzer hatte. Ein Bericht weiß in der Tatvon „fünf Alten" zu erzählen, welche die Thora griechisch verdolmetschtHabens. Die noch vorhandene Übersetzung zeigt ebenfalls, wiewohlsie durch mancherlei Entstellungen ihre ursprüngliche Gestalt verlorenhat, daß sie nicht gleichmäßig behandelt worden und also nicht ansder Hand eines einzigen Übersetzers hervorgegangen ist. Auch jenerZug mag geschichtlich sein, daß die fünf Übersetzer, um ungestört eineArbeit zu vollbringen, welche zugleich eine Gewissenssache und einEhrenpnnkt für sie war, sich auf die Insel Pharos, die Alexandrienin geringer Entfernung gegenüberliegt, zurückgezogen haben. In derÜbersetzung ist das Bestreben ersichtlich, die wörtliche Treue zugunsteneiner geläuterten Vorstellung von Gott zu opfern, was sicherlich ansgemeinsame Verabredung der Dolmetscher geschehen ist, weil sie zunächstmit Hinblick auf den gebildeten König gearbeitet haben; diese Rücksichtleitete die Dolmetscher auch augenscheinlich bei der Wahl eines Wortes,das dem Könige hätte anstößig sein können. Das Wort ^rnsbst(Hase) unter den unreinen, zum Genüsse verbotenen Tieren ist durcheine Umschreibung übersetzt, um nicht das griechische Wort Lagos(Hase) zu gebrauchen, weil der Stammvater des Königshauses Lagoshieß. — Die Begebenheit der Übersetzung mag etwas später vorgefallensein als der Bau des Onias-Tempels (etwa 150); möglich auch, daßzwischen beiden Begebenheiten ein innerer Zusammenhang herrscht. DieÜbersetzer waren wahrscheinlich gleich Onias palästinensische Aus-wanderer, welche die Kunde der hebräischen Sprache aus dem Vater-lande mitgebracht hatten; denn die früher eingewanderten, bereitshellenisierten Judäer in Ägypten hatten wohl schwerlich so viel Kenntnisdes Hebräischen bewahrt, um sich an einem so schwierigen Unternehmenzu beteiligen. — Die griechische Übersetzung der Thora war gewisser-maßen auch ein Tempel, ein Schriftheiligtum, zu Ehren Gottes ansfremdem Boden errichtet.
Die Vollendung dieses Werkes verbreitete unter den JndäernAlexandriens und Ägyptens hohe Freude. Sie waren stolz darauf,daß die ans ihre Weisheit eingebildeten Griechen doch endlich einsehenlernen müßten, um wie viel älter und erhabener die Weisheit des
(s. B. II b S. 305). Die Lügen von der Ausweisung der Judäer wegen Aus-satzes und ihrer menschenfeindlichen Gesetze wurden von Antiochos Sidetes'Freunden wieder aufgefrischt (Uioclor Uelo§s 34, 1).
i) Vergl. über die Entstehung der Septuaginta Note 2.