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Geschichte der Juden.
Allmählich erlangte diese Würde eine hohe Bedeutung. DerEthnarch hatte die Befugnis, die inneren Gemeindeangelegenheiten znleiten, das Richteramt ausznüben und über die Aufrechterhaltung derVerträge zn wachen. Er vertrat auch seine Stammesgenossen gegenüberder Krone; durch seine Hand gingen wohl die Steuern, welche sie anden Staat zu leisten hatten, und die königlichen Verordnungen fürsie wurden ihnen durch den Ethnarchen bekannt gemacht^. Es istzwar nicht bekannt, ob seine Befugnisse sich auch ans sämtliche in Ägyptenvorhandenen Judäer erstreckt haben; aber es ist wahrscheinlich, daßdiese, wenn auch nicht gesetzlich gehalten, sich doch freiwillig demjudäischen Volksfürsten ebenso wie die der Hauptstadt untergeordnethaben, zumal sie, in kleine Gemeindegruppen zerstreut, glücklich seinmußten, ein Oberhaupt aus ihrem Stamme zn haben, das imstandewar, sie gegen das Übelwollen der Nachbarn und gegen die Willkürder Beamten zu schützen. Waren sie doch durch Anlehnung an den-selben gesichert, die Pflichten, welche ihnen das Judentum auflegte,ohne Gewissenszwang erfüllen zu können. Die ethnarchische Würde,welche Omas zuerst bekleidete, bot sämtlichen ägyptischen Judäern zuviel Vorteile, als daß sie Anstand genommen haben sollten, sie auchihrerseits anzuerkennen.
Solchergestalt waren die ägyptischen Judäer in der glücklichenLage, durch ein eigenes Oberhaupt mit fürstlicher Würde eine Stärkeverleihende Einheit zn bilden. Diese Einheit wurde noch durch eineandere Schöpfung gekräftigt. Bei allem Ansehen, welches Onias amHofe Philometors und unter seinen Stammesgenossen besaß, konnteer es nicht verschmerzen, daß er durch die Vorgänge in Judäa seinerrechtlich ihm gebührenden Hohenpriesterwürde verlustig geworden war.
Während des unsicheren Zustandes in Judäa, besonders alsAlkimos mit Übergehung der berechtigten hohenpriesterlichen Familiezum Hohenpriester eingesetzt wurde, und nach seinem Tode, als dieseWürde gewissermaßen erloschen war, kam Onias auf den Gedanken,für den entweihten Tempel in Jerusalem einen solchen in Ägypten zuerrichten, dessen berechtigter Hohepriester er selbst sein sollte. Warer dabei von einem frommen Gefühle oder von Ehrgeiz geleitet? Dieinnersten Herzensregungen bleiben der Geschichte verborgen. Um denBeifall der Judäer dafür zu erlangen, berief sich Onias auf eineProphezeiung des Propheten Jesaia, die hierdurch in Erfüllung gehensollte (19, 19): „Einst wird ein Altar des Herrn in Ägypten stehen."
U Folgt aus Strabo bei Josephus Altert. XIV, 7, 2. Dieses Zeugnisgehört zwar der Augusteischen Zeit au; aber die Ethnarchie stammt ohneZweifel aus der Zeit des Ptolemäus Philometor; vergl. Note 4.