Die Parteien in Judäa nach Makkabi's Tode.
Sie beobachteten auf das gewissenhafteste nicht nur die penta-teuchischen Gesetze, sondern auch die seit Esra ausgenommen«?!! Er-weiterungen und die von den sopherischen Lehrern eingeführteu Er-schwerungen, welche als Verhütungen und Umzäunungen galten. Ja,die Frommen legten sich selbst Erschwerungen und Kasteiungen auf,entsagten als Nasiräer zeitweise oder fürs ganze Leben dem Weine.Diese chaßidäische Partei betrachtete jeden nicht vom Gesetz gezügeltenGenuß als eine Sünde; überhaupt das Judentum galt ihr als eineReligion der Askese, welche stete Entsagung und Kasteiung fordereund alle Lebeustätigkeit unter das Gesetz stelle. Mit dieser asketischenLebeusrichtung verband ein Teil der Aßidäer das theoretische Streben,sich in das schriftliche Gesetz zu vertiefen, überhaupt die bereits alsheilig anerkannten Schriften zu erforschen und namentlich die mündlichüberkommenen Gesetzesbestimmungen und Auslegungen treu zu erhaltenund weiter zu überliefern. Die Schriftkundigen (Koplmrim,und Chaßidäer gehörten zusammen, bildeten eine eigene Klasse, wennauch die einen, die Jünger des Joss, Sohn Jossers, mehr Gewichtauf das Lehren und Lernen und die andern, die Anhänger des Joss',Sohn Jochanaus aus Jerusalem, mehr Wert auf die Praktische Er-füllung des Gesetzes legten Z. Als Schriftkundige hatten jene dieGerichts-- und Lehrämter iune und dadurch auch den damit ver-bundenen Einfluß auf das Volk und die lernbegierige Jugend. Ver-möge ihrer Lebeusrichtung mußte diese Partei vor allem Ruhe undfriedliche Zustände lieben, welche ihr Muße ließen, das Gesetz zu er-füllen und zu erforschen, und mußte jeder Beteiligung an politischenVorgängen abhold sein. Aus dieser Ruhe konnten sie nur die ge-waltsamen Eingriffe der syrischen Tyrannen in die heiligsten An-gelegenheiten des Judentums für einen Augenblick herausreißeu,weil sie schmerzlicher noch als der übrige Teil des Volkes sich vondiesem Zwange verletzt fühlten. Den Aßidäern war nichts mehrverhaßt als das griechische Wesen, da es gerade auf Schaugepränge,Genußbefriedigung und Äußerlichkeit hinauslief, während ihnen derLeib mit seinen Anforderungen und Trieben als Sitz des Satansgalt, der niedergehalten werden müsse. Und nun hatte das Macht-gebot des syrischen Herrschers von ihnen verlangt, daß sie der eigenenLebensweise entsagen, der fremden huldigen und noch obendrein denheidnischen Gott verehren sollten. Diese unerträgliche Zumutung hattesie aus ihrer Beschaulichkeit anfgerüttelt und ihnen die Waffen indie Hand gedrückt. Nach den ersten Siegen und der Einweihung des
ff I. Makkab. 7, 12—13. Vgl. B. Ilb S. 274.
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