456
Geschichte der Juden.
(heimtückischen) Schlange pnbpp rmi dargestellt wird*). Das assyrische Reichbestand also damals noch, aber in demselben waren schon israelitische undjudäische Verbannte. Bleek, der die richtige Abfassungszeit geahnt hat, ließ sicheinen halben Widerspruch zu Schulden kommen. Er bemerkt (Einl. S. 463):„Wahrscheinlich ist sie (die spätere Weissagung) Lius später Zeit . . . nach derZerstörung des assyrischen Reiches, als die Juden von . . . den Aegyptern vielzu leiden hatten". Und gleich darauf: „die Abfassung fällt wahrscheinlich indas Zeitalter des judäischen Königs Josia oder unmittelbar darauf". Aber daAssyrien zur Zeit Josia's noch bestanden hat, so kann diese Partie nicht zugleichunter Josia und nach der Zerstörung Ninive's verfaßt worden sein. Auch kanndas assyrische Reich damals noch nicht untergsgangen gewesen sein, wie soebenbewiesen wurde. Bleek hat sich vom Scheine verführen lassen, in einigen VersenAusdrücke von dem Untergange einer mächtigen Stadt, Ninive, zu finden, inVers 25, 2. ow: prwu .-nr-w brb (cielenciniv i'pv) i'pri rmv wnb; Vers 26, 5: piu ip nbwv" rwrrv n'dp we>' nv.n w
isp ip auch 27, 10. Selbst zugegeben, daß darunter Ninive zu verstehen wäre,so folgt noch nicht daraus, daß es damals bereits zerstört war. Man bemerkewohl, daß diese Ausdrücke in einem Dankgebete Vorkommen. Vers 26, 1Tin.-,' -!>n i'v.-i mn.n mw. Zu Vers 25, .1 muß Aehnliches ergänzt
werden, sonst ist der Uebergang unverständlich. In einem solchen Dankliedspflegt der Wunsch als bereits erfüllte Wirklichkeit anticipirt zuwerden. Nur durch diese Annahme sind mehrere Psalmen zu verstehen. Ps.9, 16 'u- mu ,p 22 bedeutet nicht: Völker waren bereits versunken, sondernman wird nach geschehener Errettung Solches singen; Ps. 20, 7;mww pwm w -,ipi' .-mp, will nicht sagen, daß Gott bereits geholfen habe,und die Feinde zu Roß und Wagen niedergcsunken seien, sondern daß dasDanklied später diese eingetretenen Thatsachen besingen werde, vergl. Ps. 22,24—25. So auch in unserer prophetischen Partie. Der Prophet verkündet,daß nach dem Eintritt der großen Ereignisse mau in Juda einsolches Lied singen werde, daß nämlich die feste Stadt, die Bewohner derHöhe, die Burg der Eroberer in Trümmer zerfallen sind. Diese Zerstörung warnoch nicht zur Thatsache geworden, sondern wird anticipirt.
Um nun einen sicheren Ausgangspunkt zur Fixierung der Zeit für dieseKapitel zu haben, muß man das Augenmerk auf das räthselhaftsste Moment inder ganzen Partie richten. Inmitten von Betrachtungen über Unterdrücker imAllgemeinen und über Völker ohne Namen wird unerwartet Mo ab als Feinddes judäischen Volkes genannt (25, 10 —12) onus r:nn ni.-r i.-w '.n i' n::n wDas ist höchst auffallend. Ewald, dem Moab höchst unbequem ist, unddas seiner Hypothese den Todesstoß versetzt, macht eine Bemerkung, die erschwerlich beweisen kann: daß „Moab, ebenso wie Edom in den später» Jahr-hunderten nichts weiter als Beispiel der unverbesserlichen Widerspenstigkeitgegen Jhwh war". Und weil er diesen Passus von Moab mcht unterbringenkann und doch per Urs st ustas einen Strophenbau markiren will, versetzt erdiese Verse. Die Erwähnung Moabs muß aber einen historischen Hintergrundhaben. Man braucht nicht weiter zu suchen um diesen und damit auch dierichtige Zeitlage zu finden. Zephanja, der im Anfang von Josia's Zeit prophe-zeit hat, verkündete ein Strafgericht zunächst über die philistäische Tetrapolis
*) Unter ow iL'x muß Phönicien verstanden werden sS. jedochz. B. v. Orelli und Marti z. St., die darunter Aegypten verstehen wollen).