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2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
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Geschichte der Juden.

und nicht nur die Propheten Micha, Jeremia und Ezechiel *) eiferten dagegen,sondern auch das alte Gesetz (o. S. 425).

Dev zweite Hauptbeweis dieser Kritikasterei für Interpolationen in spätererZeit beruht auf dem Sühnetag. Dieser soll nach Leviticus 16, 29 kg., 23, 27 sg.,Numeri 29, 7 fg. erst später hinein practicirt worden sein, da ihn das Bundes-gesetz (Exod. 23,14 fg.), die Wiederholung desselben (das. 34, 18), ferner Deuiero-nom. (e. 16) und Ezechiel nicht kennen. Allein dieser Scheinbeweis entspringt auseiner oberflächlichen Exegese. Das Bnndesgesetz spricht lediglich von den Wall-oder Wanderfesten, an denen alle erwachsenen Männer theilnehmen, zumTempel wallfahrten und dort nicht mit leerenHänden erscheinen sollen:

nr nb: . . i"nor . . . .nrew '8 rnn. Der Sühnetag sollte aber

nicht ein solches gemeinsames Fest sein, sondern der Hohepriester sollte an dem-selben im Tempel die Sühne vollziehen und das Volk sollte, jeder in seinemHause, Fasten beobachten. Da das Bundesgesetz nur von den drei Wanderfestenund nicht vom Sühnetag spricht, so konnte es selbstverständlich die Wiederholungauch nicht ansühren (vergl. o. S. 421). Das Deuteronomium spricht eben-falls lediglich von denselben drei Festen, bezeichnet sie noch dazu alsFreudenfeste und ermahnt, daß die Armen, Verlassenen und Fremdlinge zurTheilnahme an dem Freudenmahle zugezogen werden sollen (vergl o. S. 282).Hier hätte der Sühnetag keinen Platz. Beide Gesetzgebungen sprechen deswegennicht vom Sühnetag, weil sie denselben in einer anderweitigen Gesetzesgruppevoraussetzsn. Ezechiel spricht allerdings auch nicht vom Sühnetag, aber auchnichtvon dem Wochenfeste" im dritten Monate, das doch selbst dieGeorge, Redslob und Vatke als alt anerkennen. Er nennt nur das Paochafest,das siebentägige Fest der ungesäuerten Brode und das siebentägige Fest dessiebenten Monates. Also entweder oder, entweder beweist Ezechiel's Still-schweigen gar nichts, oder das für alt gehaltene Bundssgesetz ist ebenfalls erstin der nach-ezechielischen Zeit interpolirt worden. In der That beweist Ezechielgar nichts. Denn in dieser Partie hat er überhaupt manche Abweichungenvom alten Gesetze. Er legt lediglich Gewicht darauf, daß der Fürst an diesenFesten ein Sühnopfer darbringen soll. Er verkündet überhaupt eine ganz neueOrdnung. Er ignorirt nicht bloß Gesetze des Exodus und Leviticus, sondernauch solche des Deuteronomiums, das doch zugegebenermaßen vor Ezechieleingeführt war. Man kann allenfalls sagen, daß zu seiner Zeit die Tempelund Fest-Gesetze noch flüssig waren, aber nicht, daß solche Gesetze, die er nichtregardirt, vor ihm nicht vorhanden gewesen wären (Vgl. hierzu jetzt auch nochdie Ausführungen oben S. 429(j.

Doch Dozy führt eine Stelle an, woraus hervorgehen soll, daß derProphet Jeremia selbst die Schriftgelehrten der Fälschung der Gesetze beschuldigthaben soll. Es lautet bei Dozy (die Israeliten zu Mekka, S. 9):Der Pro-phet ruft seinen Zeitgenossen zu:Was sagt ihr, wir sind weise, denn dasGesetz Gottes ist bei uns? Fürwahr, der trügerische Stift der Schriftgelehrtenhat es verfälscht". Aber findet sich denn wirklich ein solcher Vers bei Jeremia?Bei demselben z8, 8) heißt es nur: -zpvb pn nrm 'n niirn nmn wenn rwmL-iLw u>>- >nwx. Der Vers ist allerdings dunkel, aber das, was Dozy inihn hineinlegt, liegt durchaus nicht darin. Der Prophet wirft dem Volke, oder-eigentlich den Königen, Fürsten, Priestern und falschen Propheten vor, daß sieein Gräuelbild im Tempel aufgestellt, in Töphet ihre Söhne und Töchter ver-

') Vergl. Ezechiel 16, 2021 und die Erklärung dazu o. S. 425.