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2. Geschichte der Israeliten vom Tode des Königs Salomo (um 977 vorchr. Zeit) bis zum Tode des Juda Makkabi (160) 1 (1902) Vom Tode des Königs Salomo bis zum babylonischen Exile (586)
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Geschichte der Juden.

Durch diese Angabe wird Renan's Hypothese von zwei Seiten dementirt.Die Eintragung von Liedern in die Sammlung des Buches Ha-Schir hat nochin der Salomonischen Zeit sortgedauert, und dann, daß darin auch poetischeStücke religiösen Inhalts ausgenommen worden sind. Wer so apodiktischüber den Ursprung der Bibel spricht, dem durfte diese Notiz nichtentgehen.

Trotzdem setzt Renan weitläufig und mit Applomb auseinander, daß ein Theildes geschicht ichen Pentateuchs im Zehnstämmereich schriftlich ausgezeichnet wordensei, ein anderer Theil aber im Reiche Juda selbstverständlich ohne einenstichhaltigen Beweis. In der Zeit des Königs Chiskija, in welcher die Schreibe-kunst allgemeiner geworden sei, seien beide Partieen eombinirt worden, und dassei also der Bestandtheil des Geschichtlichen im Pentateuch, bestehend aus zweiveischievenen Quellen (welche die deutschen Bibelkritiker als elohistische undjehovistische oder sonst nne bezeichnen). Mit lebhafter Phantasie bemerkt er:In der Stunde, in welcher diese Combination zweier Quellen gemacht worden,sei das Christenthum und der Islam im Keims vorhanden gewesen! Einewunderliche Phantasie! Als ob das Christenthum und der Islam durch dieGeschichtchen von der Weltschöpfung, von der Sündfluth, von Noa, der denWeinstock gepflanzt hat (dem Sorgenbrecher, worauf sich nach Renan uvnn mbeziehen soll), von dem Raub Sara's durch Pharao und Abimelech, von Lot'sTöchtern rc., als ob diese Töchterreligioncn des Judenlhums nur dadurch er-weckt worden wären! Selbst die Anknüpfung an den Sündenfall ist ja erstspäter von der christlichen Dogmatik benutzt worden. Die Propaganda desChristenthums durch Paulus und des Islam durch Mohammed ist ja lediglichdurch die Entgegensetzung des Monotheismus gegen das unzüchtige Götzenthumund der Sittengesetze gegen die heidnischen Verirrungen erfolgt, d. h. durch dieGesetzestheile des Pentateuchs.

Doch dies nebenher. Ist es denn in der Hauptsache denkbar, daß dieersten Geschichtsschreiber oder Legendenschreiber eS der Mühe werth gehaltenhaben, nur die neuen Geschichtchen aus der grauen Vorzeit und weiter nichtsaufzutischen? Und kaum hatte Einer aus dem Zehnstämmereich diese Geschichtchendargestellt, soll flugs ein anderer aus Juda ihm haben Concurrenz machenwollen, dieselbe Geschichte in anderer Couleur zu verfassen? Es ist bis zurLächerlichkeit absurd. Man muß sich doch einen Leserkreis denken, den dieseUrkunden aus alter Zeit interessiren sollte. Was für ein Interesse sollte es aberfür Leser haben, ob die Weltschöpfung so oder so vor sich gegangen war, obdie Sündfluth in dieser oder in einer andern Folge stattgefunden hat? Nochmehr! Man muß doch wohl bei der Untersuchung über das älteste Schriftthumauf concretem Boden bleiben und sich fragen, aus welchem Kreise es wohlstammen möge. Und darauf kann man nur antworten: die ältesten israelitische»Schriftsteller waren gewiß Propheten oder Priester oder die ihnen nahe-stehenden Kreise. Und diese sollten dem Volke oder den Lesern weiter nichtsals alte Legenden geboten haben? Es ist undenkbar; die Propheten, soweitwir sie seit dem ältesten Amos kennen, der seine Worte niedergeschrieben, ver-folgten nur das Interesse der Sittlichkeit und Gerechtigkeit, und die Priesterwohl auch das des Tempels. Wenn diese schriftstellerisch auf die Besserung desVolkes durch eine Schrift wirken wollten, so wäre es das verkehrteste Mittelgewesen, Legenden aus der grauen Vorzeit zu schreiben. Es sei denn, daß siemit diesen Legenden oder Ueberlieferungen eine sittliche oder religiöseTendenz verfolgt haben.