431
Note 6.
bei einigen arabischen Stämmen, daß sich Freier erst vor der Hochzeit beschneidenlassen. Nun, wenn diese arabischen Stämme Mohammedaner sind, so müßte dieangeführte Thatsache bezweifelt werden, da die Moslemin allgemein die Be-schneidung an den männlichen Kindern vollziehen. Doch das nebenher. AberW. will es aus Exod. 4, 24 f. beweisen (S. 360). Daselbst werde erzählt:Sippora habe ihren jungen Sohn beschnitten als Stellvertretung für Mose, dender himmlische Zorn getroffen habe, weil er sich vor der Hochzeit nicht be-schnitten habe. Mose soll eigentlich Blutbräutigam (omi ;rm) sein, aber sym-bolisch sei der kleine Sohn zur Sühne für das Vergehen Mose's ein Blut-bräutigam geworden. Wunderlich genug ist es schon, daß Mose hier dargestelltwerden soll, als einer, der sich über die Sitte oder den religiösen Brauch, sichvor der Hochzeit zu beschneiden, hinweggesetzt hätte, ein Vergehen, das doch alsso schwerwiegend bezeichnet wird, daß er deswegen dem Tode hätte verfallensollen. Doch lassen wir diese Schrullen gelten und sehen wir, wie W. die Stelleexegetisch behandelt. Sippora soll, weil Mose wegen der Unterlassung sterbensollte, mit der abgeschnittenen Vorhaut ihres Sohnes Mose's Schaam berührt,und damit den Knaben als Blutbräutigam substituirt haben; dadurch sei derZorn von Mose gewichen. Die Textesworte sind aber so schief als möglich aus-gelegt. Abgesehen von der zweifelhaften Bedeutung des Wortes omo ;.in, solautet doch die Erzählung ganz anders. Ein Engel Gottes habe Mose in derNachtherberge überfallen, ihn zu tödten (so richtig Septuaginta:
«ü-rw L/pkXoe Skoü). Um dieses abzuwenden, habe Sippora mit der blutigenVorhaut die Füße des Engels berührt oder bespritzt. (ni-oob xm, bedeutetmit Blut bespritzen, Exod. 12, 22 ein rppvrin im Auch I-XX bezieht
richtig ninob auf den Engel). Sie sprach zum Engel: „Du bist mir nun mvi ;nr>"(was wahrscheinlich bedeutet: durch das Blut, das Dich berührt hat, bist Dumir verwandt geworden), da ließ der Engel von Mose ab. Da erkannte sie,daß sich der Engel nur habe beschwichtigen lassen, weil sie die Beschneidung anihrem bis dahin unbeschnittenen Sohn vollzogen hatte.
Diese Erzählung steht im engsten Zusammenhang mit dem Voraufgehenden.Pharao soll Gottes erstgeborenen Sohn sreilassen, sonst werden die ErstgeborenenAegyptens aussterbeu. Erstgeburt, Beschneidung und Pascha-Feierwerden durch die Erinnerung an den Auszug im engsten Zusammenhang dar-gestellt (Exod. 12, 13 f. 14, I s.). Der Unbsschnittene darf nicht vom Paschagenießen. So wird in der Erzählung von Sippora historisch dargestellt, daßdie Unterlassung der Beschneidung an den-Kindern den Tod nach sich ziehenkann, von dem sogar Mose bedroht gewesen sei, weil er sie unterlassen hatte. —W. will seine wunderliche Behauptung noch durch die Geschichte der Sichemitenbeweisen, daß diese, um zur Verschwägerung mit den Söhnen Jakobs zugelassenzu werde», hätten zusagen müssen, sich vor der einzugehenden Ehe zu beschneiden.Allein in dieser Erzählung ist angegeben, sämmtliche Männlichen (im io) hättensich beschnitten. Hatte denn Jakob so viel Töchter, mit denen sich die Sichemitensofort hätten verheirathen können, um deswegen als liebenswürdige Freier sichbeschneiden zu lassen? Und mit diesen Argumenten beweist W., daß die Be-schneidung der Knaben nur als ein gemildertes Argument für die ursprüng-liche Beschneidung der jungen Männer sei, und darin soll sich ebenfalls diegähnende Kluft zwischen dem Priestercodex und dem älteren Bestandtheil desPentateuchs zeigen? Das ist aber nicht Exegese, sondern das sind Argutien derwildesten Art. Und auf solchem schwammigen Untergründe soll eine ganz neue Con-struction der israelitischen Geschichte aufgebaut werden? So auch die Behauptung: